09.11.2020

Journaling für Teens und Eltern

Journaling

Durch das Schreiben zu sich selbst finden: In Zeiten der Veränderung fällt es manchmal schwer, loszulassen und sich in Ruhe mit den eigenen Gedanken auseinanderzusetzen. Die Methode des „Journaling“ bietet hier einen geschützten Raum, über sich selbst und die eigenen Gedanken zu reflektieren. Aber was genau verbirgt sich dahinter? Unsere Autorin Alexandra v. Plüskow-Kaminski hat sich auf die Spur begeben.

 

„Schreibend erinnere ich mich an mich selbst.“

(Doris Dörrie, Leben-Schreiben-Atmen – Eine Einladung zum Schreiben, 2019, S. 10)

 

Tagebuch oder Journal

 

Habt ihr früher auch Tagebuch geschrieben? Zumeist am Ende eines Tages hat man diesen Revue passieren lassen. Aus meiner Kinder- und Jugendzeit habe ich noch einige dieser Schatz-Bücher in meinem Regal stehen.

Auch das Journaling kann zu einer schönen Routine werden. Journaling stammt aus den USA und ist dort in den 1970-er Jahren entstanden. Hier geht es nicht darum, auf Tage zurückzublicken, sondern darum, eure eigenen Gedanken hochzuholen und diese schreibend zu reflektieren. Da ihr euch so mit eurer eigenen Gefühlswelt auseinandersetzt, kann das Journaling euch unterstützen, euch selbst besser zu verstehen. Es wird auch in Begleitung von Therapien und Coachings eingesetzt.

Wichtig ist auch die Abgrenzung zum Bullet Journal, das eher ein Tool ist, um sich zu organisieren.

 

Was und wie schreibe ich?

 

Wie Doris Dörrie in ihrem Buch „Leben – Schreiben – Atmen – Eine Einladung zum Schreiben“ schreibt: „Alles kann zum Schreiben inspirieren.“ (S. 13)

Und genau dabei geht es beim Journaling. Am besten plant ihr für das Journaling einen festen Zeitraum am Tag ein. Das kann frühmorgens nach dem Aufstehen sein oder auch abends, wenn ihr euren Tag abschließt. Ihr braucht nur euer Journal und einen Stift. Und dann schreibt ihr einfach drauflos, was euch durch den Kopf geht. Stellt euch eine Uhr – vielleicht auf eine Viertelstunde oder auf eine Zeitspanne, die euch gut tut. Beim Drauflos-Schreiben bringt ihr eure Gedanken und Gefühle zu Papier. Häufig ordnen diese sich beim Schreiben. Es ist darüber hinaus auch entlastend, eure Gedanken loszulassen und damit auch loszuwerden.

Beim Journaling geht es nicht darum, etwas richtig zu machen – oder gar falsch. Ihr könnt ganz wertfrei mit euren Gedanken umgehen. Es kommt nicht darauf an, wie ästhetisch euer Text ist oder gar, ob sich der Fehlerteufel eingeschlichen hat. Und: Ihr schreibt nur für euch selbst, nicht für andere Personen.

 

 

Zu Stichwörtern oder zu Prompts schreiben

 

Ihr könnt eure selbst gewählte Schreibzeit aber auch dafür nutzen, zu Stichwörtern oder zu so genannten Prompts zu schreiben. Prompts sind Anregungen für den Schreiber bzw. die Schreiberin, zu denen dann geschrieben wird.

Doris Dörrie nennt beispielsweise die folgenden Wörter: „Mittagessen, Musik, Verloren und gefunden, Telefon, Zu Hause, Der Moment, Yoga.“ Prompts können beispielsweise sein: „Schreibe einen Brief an deinen Freund/ deine Freundin, den du nicht abschickst.“ „Was war das schönste Geschenk, das du bekommen hast?“ „Welche schöne Erinnerung hast du an den letzten Sommer?“ „Liste die Dinge auf, die dich glücklich machen.“ „Schreibe auf, was du an deinem Haustier liebst.“

Aber vielleicht wählt ihr auch einen Gegenstand aus eurem Haushalt oder eine Postkarte, zu der ihr schreiben möchtet.

Auch wir haben einige Schreib-Prompts für euch zum Download vorbereitet.

 

 

Journaling – auch für Teens?

 

Ja, unbedingt! Gerade in dieser Zeit der Veränderung unterstützt das Journaling auch Jugendliche dabei, ihre Gefühlwelt wahrzunehmen und zu reflektieren. Durch das spontane Schreiben, das Fließenlassen der Gedanken, werden manche Themen erst bewusst. Schreibend machen sich Jugendliche ihre eigene Gefühls- und Gedankenwelt zu eigen.

Hilfreich ist es tatsächlich, von Hand zu schreiben – in ein schönes Buch, in dem die Gedanken nach und nach gesammelt werden. Auch sollen die handschriftlich festgehaltenen Gedanken nachhaltiger im Gedächtnis bleiben.

Wenn euer Kind allerdings lieber mithilfe einer App schreiben möchte oder in ein Dokument, so ist auch dies eine Möglichkeit. Denn: ein Richtig oder Falsch gibt es beim Journaling einfach nicht!

 

 

Schreibtipps von Jana Crämer

Jana Craemer

Foto: Eckard Albrecht

Jana Crämer ist Autorin, Bloggerin („Endlich ich“), Podcasterin und Influencerin. Gemeinsam mit dem Musiker Batomae ist sie bundesweit auf Konzertlesungen unterwegs. Lehrer und Schüler*innen haben auf www.konzertlesungen.de die Möglichkeit, sich über die Schulveranstaltungen zu informieren.

Schreibend spricht sie in ihrem autobiografischen Roman „Das Mädchen aus der 1. Reihe“ und in ihrem Blog über ihre Essstörung. In ihrem Buch „Unvergleichlich Du! Wie Du Deine beste Freundin wirst“ inspiriert sie Jugendliche mit zahlreichen Tipps und Schreibimpulsen, die auch beim Journaling verwendet werden können. Jana Crämer wurde für ihr Engagement 2018 mit dem Signs Award ausgezeichnet.

 

https://unvergleichlich-du.de

 

Unsere Autorin Alexandra v. Plüskow-Kaminski hat mit Jana Crämer über das Schreiben gesprochen:

 

Liebe Jana, Du schreibst seit einigen Jahren einen Blog. Wie bist Du zum Schreiben gekommen?

 

Ich wollte mich bei meinem besten Freund, dem Musiker Batomae, entschuldigen, dass ich ihm die mieseste beste Freundin war, die man sich nur vorstellen konnte. Er dachte, dass unsere ständigen Streitereien an ihm lägen, dabei habe ich nur ein Ventil gebraucht, um meine innerliche Wut loszuwerden. Ich hatte nicht den Mut, ihm ihn die Augen zu schauen und meine Geschichte zu erzählen, dafür schämte ich mich viel zu sehr. Also habe ich ihm mein Leben aufgeschrieben, um ihm zu erklären, warum ich so grausam zu ihm war. 360 Seiten später wusste er Bescheid.

 

Was bedeutet es für Dich, zu schreiben?

 

Schreiben ist eine ganz wundervolle Art, meine Gedanken zu sortieren. Wenn ich die Dinge zu Papier bringe, habe ich das Gefühl, dass sich eine innere Ordnung wieder herstellt und ich den Blick frei habe.

 

Welche Schreibtipps hast Du für uns?

 

Es gibt kein Richtig und kein Falsch. Wenn es sich gut anfühlt, ist es gut. Es kommt nicht drauf an, wie andere unsere Texte finden. Beim Schreiben blende ich alles aus, denke nicht mal drüber nach, ob diese Zeilen jemals jemand zu lesen bekommen wird. Ich mache das für mich. Auch Rechtschreib- und Kommafehler jucken mich nicht. Wer einen Fehler findet, darf ihn gerne behalten.

 

Und – was hilft Dir bei einer Schreibblockade, wieder zum Stift zu greifen?

 

Erstmal das Zimmer aufräumen und den Müll rausbringen … und wenn es dann wirklich nichts mehr gibt, was ich als „Das-ist-jetzt-wichtig“ vorschieben kann, setze ich mich an den Rechner und liefere mir ein Anstarr-Duell. Wie mein lieber Freund, der Bestseller-Autor Sebastian Fitzek, immer sagt: Kreativität braucht Langweile und genau dazu zwinge ich mich dann.

 

 

Gewinnspiel: Wir verlosen 3x das Buch Unvergleichlich Du! Wie du deine beste Freundin wirst von Jana Crämer – jetzt mitmachen und gewinnen!

 

Bildquellen:

  • Pixabay -6689062
  • Eckard Albrecht

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Alexandra von Plüskow -Kaminski

Alexandra von Plüskow -Kaminski

Alexandra von Plüskow - Kaminski ist Lehrerin. Derzeit arbeitet sie in Abordnung des Landes Niedersachsen als Bildungskoordinatorin der Bildungslandschaft Heidekreis und als Beraterin für Sprachbildung und Interkulturelle Bildung im Sprachbildungszentrum Lüneburg der Niedersächsischen Landesschulbehörde. Sie war mehrere Jahre in der Lehrkräfte-Ausbildung an den Universitäten Koblenz-Landau und Leuphana Lüneburg tätig und verfasst als freie Fachjournalistin Texte zu pädagogischen Themen für verschiedene Magazine und Verlage.