12.07.2019

Empfehlung fürs Gymnasium: Welche Voraussetzungen müssen Kinder mitbringen?

Nach der Grundschule kommt die weiterführende Schule. Doch welche ist die Richtige? Soll das eigene Kind wirklich aufs Gymnasium gehen?

Nach der Grundschulzeit stehen Eltern und Kinder vor der wichtigen Entscheidung, welche weiterführende Schule die richtige ist. Grundschullehrer sprechen Empfehlungen aus und führen intensive Beratungsgespräche mit Eltern. Die Kinder wiederum haben ihre eigenen Wünsche und Vorstellungen. Diese hängen oft eng mit den Plänen der Schulkameraden zusammen. Hinzu kommen gesellschaftliche Erwartungen und der Wunsch nach einer besonders guten Ausbildung. Eine Empfehlung fürs Gymnasium wird inzwischen sehr häufig ausgesprochen. Wie geht es nach der Empfehlung weiter?

 

Die passende Schule finden

Eine generelle Empfehlung fürs Gymnasium bedeutet noch nicht, dass das Kind zwangsläufig ein Gymnasium besuchen muss. Den gleichen Bildungsweg können Schülerinnen und Schüler auch an einer Gesamtschule einschlagen. An einer Gesamtschule lernen Kinder gemeinsam, es sind verschiedene Bildungsabschlüsse möglich – auch das Abitur. Es ist lediglich notwendig, einen qualifizierenden Abschluss nach Klasse 10 zu machen, um die allgemeine Hochschulreife erwerben zu können. An einem Gymnasium reicht hier eine einfache Versetzung aus.

Bei der Wahl der passenden Schule sind für Eltern und Kinder verschiedene Kriterien entscheidend. Eltern legen häufig Wert auf ein besonderes Förderangebot für die Schülerinnen und Schüler. So gibt es Schulen mit sportlichem oder musischem Schwerpunkt sowie Schulen, an denen bilingualer Unterricht stattfindet. Eine frühe Bildung in Englisch oder Französisch geht einher mit guten Chancen auf dem internationalen Arbeitsmarkt. Die Entfernung der Schule von der Wohnung des Kindes ist für Eltern ein wichtiger Faktor, soll der Schulweg doch nicht zu lang sein. Für Kinder hingegen ist es vor allem entscheidend, auf welche Schule die Freunde gehen. Bei einer größeren Auswahl lohnt es sich, am Tag der Offenen Tür der einzelnen Schulen teilzunehmen, um sich ein erstes Bild zu machen.

Wenn eine passende Schule ausgewählt wurde, müssen die Schüler sich anmelden. Das übernehmen die Eltern bzw. die Erziehungsberechtigten. Gibt es mehr Anmeldungen als Plätze im neuen Jahrgang, kann es passieren, dass Schulen einzelne Schüler ablehnen. Dies ist kein Grund zur Verzweiflung! Es gibt rechtliche Schritte, die Eltern einleiten können, um ihr Kind an der gewünschten Schule unterzubringen. Es lohnt sich, sich vorab von einem Rechtsanwalt beraten zu lassen. Im Ernstfall ist eine Schulplatzklage möglich, um das Kind an der gewählten Schule unterzubringen.

 

Besonderheit am Gymnasium: Selbstständigkeit

Im Gegensatz zur Real- oder Hauptschule erwarten Gymnasien von ihren Schülerinnen und Schülern ein hohes Maß an Selbstständigkeit. Gerade beim Lernen wird vorausgesetzt, dass Schüler sich selbstständig mit dem im Unterricht behandelten Stoff auseinandersetzen. Außerdem müssen sie sich intensiv auf die Unterrichtsstunden vorbereiten. Dies ist in Hinblick auf ein angestrebtes Studium nach dem Abitur äußerst sinnvoll. Dennoch fällt es nach wie vor einigen Schülern schwer, diese Voraussetzungen zu erfüllen. Eltern sind hier gefragt, ihren Kindern beim Lernen zu helfen.

 

Am Gymnasium sind Schüler angehalten, selbstständig zu lernen. Referate, Hausaufgaben und Unterrichtsvorbereitung gehören dazu.

 

Natürlich müssen die Schülerinnen und Schüler im ersten Jahr am Gymnasium noch nicht alles allein machen. Die Anleitung durch die Lehrkräfte wird mit den Jahren immer weniger. Die Vorbereitung auf den Unterricht trägt maßgeblich zum Lernerfolg bei. Die Anforderungen an einem Gymnasium sind generell höher einzustufen als an einer Real-, Gesamt- oder Hauptschule.

In der Sekundarstufe II ersetzen häufig Kurssysteme die Klassenverbände. Die Schüler müssen nun den Überblick behalten, wann welche Kurse in welchen Räumen stattfinden. Allein die Termine für Klausuren werden zentral festgelegt, sodass sich keine Arbeiten überschneiden. Diese Regelungen erinnern bereits an die typische Universität, in der Studierende bestimmte Kurse belegen, um Creditpoints zu erwerben. Die Sekundarstufe II bildet so die Vorbereitung für das folgende Studium. Schülerinnen und Schüler, die nach dem Abitur eine Ausbildung machen möchten, profitieren ebenfalls von dieser Vorbereitung. Sie können selbstständig arbeiten und stellen im Zweifel Fragen.

 

Von der Realschule aufs Gymnasium?

Eltern, die sich nicht sicher sind, ob ihr Kind aufs Gymnasium soll, gehen gern auf Nummer sicher. Sie melden ihr Kind an einer Realschule an. So wird das Kind nicht überfordert und es hat die Möglichkeit, im Anschluss die Allgemeine Hochschulreife zu machen. In vielen Bundesländern ist dieser Weg möglich und verhältnismäßig unproblematisch. Eine wichtige Zugangsvoraussetzung für die gymnasiale Oberstufe ist die Qualifikation. Der Mittlere Abschluss (oder die Mittlere Reife) mit dem Vermerk „Q“ befähigt zum Besuch der Sekundarstufe II. Je nach Bundesland dauert das Abitur dann zwei oder drei Jahre. In manchen Bundesländern, wie NRW, kann das sogar von Schule zu Schule unterschiedlich sein. Das Abitur können die Schülerinnen und Schüler dann sowohl am Gymnasium als auch an einer Gesamtschule nachholen. An Berufsfachschulen gibt es zudem die Möglichkeit, ein spezifischeres Fachabitur zu erwerben und so an Fachhochschulen studieren zu können.

Eltern und Kinder, die über diesen Weg nachdenken, müssen im Auge behalten, dass das Kind so in einigen Jahren vom Freundesverbund getrennt wird. Es lernt an der neuen Schule neue Mitschüler kennen und schließt mit Sicherheit neue Freundschaften. Allerdings wird es weniger Zeit mit alten Freunden verbringen können.

 

Viele Schülerinnen und Schüler zittern vor den Abiturprüfungen. Was, wenn sie nicht bestehen? Das ist kein Beinbruch. Es gibt mehr als einen richtigen Weg.

 

Welcher Weg ist der Richtige?

Es ist nicht einfach, zu entscheiden, auf welche Schule ein Kind gehen soll. Viele Faktoren spielen in diese Entscheidung hinein. Nicht zuletzt ist der spätere Berufswunsch ein wichtiger Punkt, der sich im Laufe der Schulzeit verändern kann. Nicht jedes Kind möchte später studieren! Bei manchen Kindern schwingt zudem die Angst vor Misserfolg mit. Was passiert, wenn der geplante Abschluss nicht erreicht wird? Was passiert, wenn das Kind sitzenbleibt? All dies ist ärgerlich, aber kein Grund zur Panik. Wer sich unsicher ist, ob das Kind an einem Gymnasium gut aufgehoben ist, sollte sich möglicherweise für eine Realschule entscheiden. Hier werden Schüler zunächst mehr angeleitet und erhalten eine intensivere Förderung. Nach dem Realschulabschluss ist das Abitur immer noch möglich! Und Berufskollegs sowie Gesamtschulen bieten Schülerinnen und Schülern die gleichen qualifizierenden Abschlüsse wie Gymnasien. Es gibt viele Wege, um das Ziel zu erreichen.

 

 

Bilder:

Abb. 1: Pixabay.com © Wokandapix (Pixabay License)

Abb. 2: Pixabay.com © libellule789 (Pixabay License)

Abb. 3: Pixabay.com © Moos-Media (Pixabay License)


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Kaja Lange

Kaja Lange

Kaja studierte Anglistik und Germanistik im Master an der Georg-August-Universität Göttingen. Sie absolvierte ein Praktikum bei der Westermann Verlagsgruppe im Team von kapiert.de.

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