Früher war es eindeutig: die einen haben einen Computer zuhause, die anderen nicht. Die einen haben eine Internetverbindung, die anderen nicht. Dementsprechend sprach man vom Digital Divide. Der Digital Divide beschreibt die sozialen, sozioökonomischen und technischen Unterschiede in der Zugänglichkeit und Nutzung digitaler Technologien. Seit Beginn der 2000er Jahre hat sich die digitale Technologie rasant entwickelt und ist heute ein wesentlicher Teil unseres täglichen Lebens. Diese Entwicklung hat jedoch auch dazu geführt, dass bestimmte Bevölkerungsgruppen ausgeschlossen werden und somit eine große digitale Kluft entsteht. Doch gibt es diese Kluft auch heute noch, wo fast alle Smartphones besitzen?

Schon früh wurde deutlich, dass sich soziale Unterschiede auf die Mediennutzung auswirken. Menschen mit niedrigem Einkommen und geringem Bildungsstand hatten nur begrenzten Zugang zu Computern und dem Internet und waren somit weniger in der Lage, die Vorteile der digitalen Technologie zu nutzen. Dies führte zu einer Verstärkung sozialer Unterschiede, da sich diejenigen, die Zugang zu digitalen Technologien hatten, besser informieren und vernetzen konnten, was ihnen sowohl berufliche als auch schulische oder akademische Vorteile verschaffte.

Wie zugänglich ist das Internet für Jugendliche heute?

Mittlerweile sieht es mit der Ausstattung aber ganz anders aus. Laut JIM-Studie 2022 (Jugend, Information, Medien) des Medienpädagogischen Forschungsverbunds Südwest (mpfs) haben 96% aller Zwölf- bis 19-Jährigen haben ein eigenes Smartphone. Einen Computer oder Laptop findet man in 97% der Haushalte, in denen die Jugendlichen leben, etwa drei Viertel haben sogar ein eigenes Gerät. Allerdings machen hier soziale Ungleichheiten einen Unterschied: während Jugendliche am Gymnasium zu 77% einen Computer oder Laptop haben, sind es an Haupt- und Realschulen nur 68%. Auch bei Tablets liegen Jugendliche, die ein Gymnasium besuchen mit 55% vorne, während an Haupt- und Realschulen lediglich 44% ein Tablet besitzen.

Das Deutsche Institut für Vertrauen und Sicherheit im Internet hat 2018 im Rahmen ihrer U25-Studie 14- bis 24-jährige – also eine etwas ältere Gruppe als bei JIM – zu ihrer Ausstattung mit digitalen Endgeräten sowie zu ihren Verhaltensweisen befragt. Die nahezu flächendeckende Verbreitung von Smartphones bei Jugendlichen wird hier bestätigt. Es hat also fast jeder Jugendliche Zugang zu einem Endgerät. Darüber hinaus ist auch mobiles Datenvolumen in der breiten Masse in Deutschland angekommen: nur eine Minderheit von sieben Prozent dieser Gruppe hat kein mobiles Datenvolumen und kann das Smartphone daher nur in Verbindung mit einem WLAN-Zugang nutzen. Auf die Minderjährigen trifft dies noch häufiger zu (12 Prozent) als auf die 18- bis 24-Jährigen (5 Prozent). Je niedriger das Bildungsniveau ist, desto eher wird das mobile Datenvolumen als nicht ausreichend wahrgenommen. Auch hier merkt man also, dass trotz sehr weitreichendem Zugang zum Internet Ungleichheiten durch das Bildungsniveau und die sozioökonomische Herkunft eine Rolle spielen.

Doch reichen Smartphones aus?

Der Verlass auf ein Smartphone anstelle eines Laptops oder Computers wird dann problematisch, wenn man die Nutzungsweisen und -zwecke betrachtet. Smartphones werden hauptsächlich zur Unterhaltung genutzt, sei es durch Chats, soziale Medien oder Online-Spiele. Ein Computer ermöglicht darüber hinaus aber auch eine Bandbreite an Lern- und Informationsmöglichkeiten, die am Smartphone oftmals umständlich zu bedienen sind.

Neue Dimensionen des Digital Divides

Um diese Entwicklungen in das System des Digital Divides zu integrieren, wurden mehrere Dimensionen betrachtet. Abgesehen vom Zugang gibt es auch in der Qualität der Internetnutzung Ungleichheiten. Neben der grundlegenden Ausstattung geht es also auch um die Selbstbestimmung in der Nutzung, also in etwa ob man zeitlich und räumlich frei entscheiden kann, ob man das Internet nutzen möchte. Auch bei den Nutzungszwecken macht es wie oben erläutert einen Unterschied, ob das Internet zur Unterhaltung oder Weiterbildung eingesetzt wird. Weiterhin gibt es die Skill-Dimension, die die unterschiedliche Ausprägung der Fähigkeiten, das Internet sinnvoll zu verwenden beschreibt. Dabei geht es auch um Wissensschätze, die einem helfen, effektiv Gebrauch vom Internet zu machen, in Form von Recherchen oder ggf. nötigen Softwareupdates.

Dies kann ebenfalls zu einer Verstärkung von Bildungsungleichheiten führen, da Jugendliche aus benachteiligten Milieus seltener produktive und bildungsfördernde Online-Aktivitäten ausführen und darin unsicherer sind. Auch in der Wahrnehmung von Datenschutz und Sicherheit im Internet zeigen sich Unterschiede entlang des Bildungsniveaus: Zum einen zweifeln Jugendliche mit höherem formalem Bildungsgrad ihre Datensicherheit eher an, als Jugendliche mit niedrigerem formalem Bildungsniveau, zum anderen wenden sie aber auch mit höherer Wahrscheinlichkeit Sicherheitsmaßnahmen an und verwenden stärkere Passwörter als die niedriger gebildeten Studienteilnehmer (DIVSI U25-Studie 2018).

Wie können Jugendliche entgegen ungleicher Ausgangssituationen darin unterstützt werden, digitale Medien zu ihrem Vorteil zu nutzen?

Um den Digital Divide zu verringern, ist es wichtig, digitale Kompetenzen und Medienbildung zu fördern. Jugendliche aller Milieus sollten befähigt werden, digitalen Technologien effektiv und sicher zu nutzen, damit sie die Vorteile nutzen können, die das Internet bietet. Dies sollte schulformübergreifend und zielgruppensensibel umgesetzt werden, um alle Jugendliche mit den Fähigkeiten auszustatten, die sie benötigen, um ihren weiteren Werdegang erfolgreich zu meistern. Dabei ist es ebenso wichtig, dass Kinder und Jugendliche bereits frühzeitig eine umfassende Medienbildung erhalten, die sie auf die Herausforderungen des digitalen Zeitalters vorbereitet.

Eine inklusivere Form der Medienbildung beinhaltet auch, dass Jugendliche nicht direkt für ihre Gewohnheiten verurteilt werden, sondern dort abgeholt werden, wo sie gerade stehen, und ihnen dann mehr „Werkzeuge“ und Wissen an die Hand zu geben, die sie befähigen, das Internet auch zu Bildungszwecken und zur beruflichen Qualifikation zu verwenden. Für diejenigen, die keinen eigenen Laptop oder Computer haben, können Computerräume in Schulen, Bibliotheken und Gemeindezentren weiterhin hilfreich sein, um die Barriere der Internetnutzung zu Informationszwecken zu reduzieren. Ebenso könnte frei zugängliches WLAN an diesen Orten die Jugendlichen ohne mobiles Datenvolumen unterstützen. Aber auch das Einüben von Recherchen und anderen informationsbezogenen Anwendungen fördert die Kompetenz von Jugendlichen.

Insgesamt hat sich der Digital Divide seit den 2000er Jahren zwar verbessert, aber soziale Unterschiede in der Mediennutzung und im Zugang zu digitalen Technologien bleiben eine Herausforderung, die es schulisch und außerschulisch anzugehen gilt.

 

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