20.02.2019

Die Anforderungen an Schulabgänger verändern sich

Schulabgänger

Gemeinsam Dinge erarbeiten – im heutigen Schulalltag wie auch im Leben immer wichtiger.

Die Anforderungen an Schulabgänger sind weitaus höher, als sie es noch vor zehn Jahren waren. Genügte damals ein solides Abgangszeugnis, um einen Ausbildungsplatz zu erhalten, ist allein die Zugangsvoraussetzung für typische Ausbildungsberufe das gute Abitur. Und auch die Wahl der Azubis hat sich gewandelt. Längst gibt es klassische Assessment-Center anstelle der simplen Vorstellung mit vielleicht einem Probetag. Und neben den elementaren Fähigkeiten wie Lesen, Schreiben, Rechnen, ein guter Ausdruck und ein solides Allgemeinwissen wird von den Schulabgängern auch im Computerbereich einiges erwartet. Genau dieser Trend wird dank der Digitalisierung noch anhalten. Was dies bedeutet und welche Möglichkeiten es für Schüler und baldige Schulabgänger gibt, zeigt dieser Artikel.

 

Softwarenutzung heute Standard

Vor zehn, zwanzig Jahren genügte es für Auszubildende, wenn sie wussten, wie ein PC angeschaltet wird. Das eigentliche Lernen am Computer, die Nutzung von Programmen und einige wenige Hintergründe wurden sogleich im Ausbildungsbetrieb oder in der Berufsschule gelehrt. Heute ist das längst nicht mehr der Fall, denn dieses Wissen ist eine Grundvoraussetzung. Und das bedeutet:

  • Textverarbeitung – angehende Azubis müssen die gängigen Textverarbeitungsprogramme zumindest in den wichtigsten Bereichen beherrschen. Dies schließt auch das 10-Finger-System mit ein. Wer Textmarken setzen kann oder weiß, wie Serienbriefe funktionieren, der punktet zusätzlich. Wichtig ist neben dem 10-Finger-System, dass Schulabgänger unbedingt die Groß- und Kleinschreibung, Satzzeichen und Gliederung beherrschen. Der »Chat-Stil« ist ein Ausschlusskriterium in jeder Bewerbungsrunde.
  • Tabellenkalkulation – Schulabgänger sollten die einfachsten Formeln in Excel beherrschen, Tabellen erstellen können und wissen, wie sie zumindest die Grundrechenarten in Formeln ausdrücken und in die Tabelle einbinden.
  • CRM/ERP – es ist zumindest gut, schon einmal von diesen Systemen gehört zu haben. Für Schüler gibt es häufig von der Arbeitsagentur geförderte Kurse, die einen guten, ersten Einblick in die Programme geben. Für ERP Systeme haben Schüler auch die Möglichkeit sich im Internet zu informieren und ihr Wissen in diesem Ratgeber zu verbessern. Generell gilt: Programmierung – wer ein wenig – oder mehr – Wissen über Programmiersprachen besitzt, diese anwenden kann oder wer eine Homepage erstellen kann, der hat gegenüber der Konkurrenz einen guten Vorsprung.

Das Problem ist, dass die Schulen längst nicht auf die Digitalisierung ausgelegt sind und etliche Schulen noch mit völlig veralteten Programmen arbeiten. Schüler und Eltern müssen also eigenständig Möglichkeiten finden, sich vorzubereiten.

 

Reines Fachwissen reicht nicht

So wichtig, wie es ist, Fachwissen in einigen Bereichen zu besitzen, so wichtig ist es aber auch, dieses einbringen und anwenden zu können. Schon von Auszubildenden wird heute verlangt, dass sie gut im Team arbeiten, sich einbringen und ihr Wissen weitervermitteln können. Diese Fähigkeit lässt sich nur schwer von heute auf morgen erlernen, doch können Eltern ihre noch jüngeren Kinder gut fördern:

  • Teamsport – der beste Weg, um im Team arbeiten zu lernen, ist Mannschaftssport. Hier funktioniert nichts ohne die Mitspieler und die Teamfähigkeit wird gefördert.
  • Gruppen – für Kinder und Jugendliche gibt es verschiedene Gruppenmöglichkeiten, die Teamfähigkeit, Wissensvermittlung und Wissensanwendung fördern. Es mag altmodisch klingen, doch gehen Pfadfindergruppen in genau diese Richtung.
  • Förderung zu Hause – Eltern können immer wieder hingehen und sich gezielt etwas von den Schülern erklären lassen. Sie können auch Aufgaben verteilen und das Kind als Leader dazu veranlassen, die Familie als Team während der Aufgabenbewältigung zu leiten.

Generell ist es gut für Wege zu sorgen, auf denen Schüler ihr theoretisches Wissen anzuwenden und anderen zu vermitteln lernen.

 

Methoden und Präsentation – wichtige Bausteine

Die meisten Schulen gehen im Unterricht bereits auf die Methodenlehre ein. In der Regel müssen Schüler heute schon früh ihre Ergebnisse vortragen und eigene Präsentationen halten. Doch nicht jedem Schüler fällt dies leicht, was nicht unbedingt mit Schüchternheit in Verbindung steht. Introvertierte Schüler haben es schlichtweg schwer, aktiv vor anderen zu reden, ihre Ergebnisse zu präsentieren oder eine Vorstellung zu gestalten. Leider ist es so, dass selbst diejenigen mit dem größten Fachwissen untergehen, wenn andere sich nur besser zu verkaufen wissen. Dies müssen auch Eltern erkennen und gezielt helfen, dem eigenen Kind einen guten Start zu bieten. Häufig kann das in Verbindung mit speziellen Lehrgängen geschehen, die die folgenden Bausteine abdecken:

  • Hilfsmittel – rhetorische und technische Hilfsmittel sind es, die eine Präsentation aufbauen. Die Rhetorik verleiht dem Gesagten Würze, während die Technik dem Gesagten die notwendigen Bilder verleiht.
  • Gelassenheit – die Atmung entscheidet mitunter über den Erfolg der Präsentation. Wer ruhig atmet, wirkt stärker, wer die Lautstärke im korrekten Rahmen variiert, der fördert die Betonung.
  • Aufbau – eine Präsentation kann aus dem bloßen Aneinanderreihen von Wissen bestehen – nur verliert der Sprecher die Zuhörer spätestens nach zwei Minuten. Wer jedoch Überraschungen, Fragen, Provokationen, Vergleiche oder persönliche Anekdoten mit einbringt, der zieht die Zuhörer zu sich.

Auch hier können Eltern wieder mithelfen, indem sie das Kind schon im jungen Alter eigene Projekte vorstellen und präsentieren lassen. Und wenn die Inhalte erst nur die Fähigkeiten sämtlicher Pokémon sind, so gilt es zuerst einmal, das freie Sprechen und Präsentieren zu üben und zu fördern. Für ältere Kinder oder diejenigen, die kurz vor dem Schulabschluss stehen, gibt es weitere Möglichkeiten, sich vorzubereiten:

  • Ferienkurse – sie setzen sich nicht selten schon mit einzelnen Berufsgruppen oder Wissen aus den Bereichen auseinander. Während der Kurse wird aber auch das Vortragen und die Methodik deutlich gefördert.
  • Nachhilfeeinige Nachhilfe-Anbieter gehen mittlerweile gezielt auf Auszubildende und die Anforderungen der Ausbildung ein. Auch die Präsentation gehört dazu.
  • Vorbereitungskurse – es gibt etliche Vorbereitungskurse, die keinen anderen Inhalt haben, als Schulabgänger auf das Auswahlverfahren für Ausbildungsplätze vorzubereiten. Diese Kurse vermitteln ein umfangreiches Wissen und bereiten vor allem auf Assessment-Center und ihre Anforderungen vor.

 

Schulabgänger 1

Abbildung 2: Computerkenntnisse sind heute selbstverständlich – wer sich mit spezieller Software und Programmiersprachen auskennt, hat Vorteile.

Fazit – Schulwissen allein genügt nicht

Die Zeiten, in denen das in der zehnjährigen Schulzeit erworbene Wissen ausreicht, um einen guten Ausbildungsplatz zu finden und somit einen Start ins Berufsleben zu erhalten, sind vorüber. Heute müssen Schulabgänger sich schon vor der Vertragsunterschrift in knallharten Auswahlverfahren behaupten und eine Leistung erbringen, die damalige Auszubildende nicht einmal bei der Abschlussprüfung zeigen mussten. Glücklicherweise gibt es immer mehr Angebote, die Schulabgänger auf diesem Weg unterstützen und sie vorbereiten. Wer sich zusätzlich Fachwissen aneignet, der dürfte bei der Ausbildungssuche gute Chancen haben.

 

Bildquellen:

Abbildung 1: @ StockSnap (CC0-Lizenz) / pixabay.com

Abbildung 2: @ Pixies (CC0-Lizenz) / pixabay.com

Autor: Anna P.


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Kaja Lange

Kaja Lange

Kaja studiert Anglistik und Germanistik im Master an der Georg-August-Universität Göttingen. Sie absolviert derzeit ein Praktikum bei der Westermann Verlagsgruppe im Team von kapiert.de.

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