Epochenmerkmale kennen: Expressionismus

Expressionismus

Auf einem Häuserblocke sitzt er breit.
Die Winde lagern schwarz um seine Stirn.
Er schaut voll Wut, wo fern in Einsamkeit
die letzten Häuser in das Land verirr’n.

Diese Zeilen aus Georg Heyms Gedicht „Der Gott der Stadt“ klingen nicht besonders positiv, oder? Heym, ein Dichter des Expressionismus thematisiert in seinem Gedicht das Leben in der Stadt Anfang des 20. Jahrhunderts.

In der Literatur bezeichnet man die vorherrschende Stilrichtung in Musik, Kunst und Literatur in der Zeit von ca. 1905 bis 1925 als Expressionismus.

Der Begriff wurde 1911 von dem Schriftsteller und Publizisten Kurt Hiller, der selbst dieser Strömung angehörte, geprägt.

Geschichtliche Hintergründe:

  • starke politische Spannungen: Erster Weltkrieg
  • Katastrophen: Untergang der Titanic
  • Halleyscher Komet 1910 (Apokalypse)

Wissenswertes über den Expressionismus

In dem folgenden Merkkasten ist alles Wichtige zum Expressionismus zusammengefasst:

  • Zeit: Anfang: 1910; Ende: 1925
  • Hauptvertreter und Hauptwerke: Lyrik, z. B.:
    Georg Heym: „Der Krieg“ (1911), „Der Gott der Stadt“ (1911)
    Jakob van Hoddis: „Weltende“ (1911)
    Else Lasker-Schüler: „Weltende“ (1904), „Die Wupper“ (1909)
    Georg Trakl: „De profundis“ (1912), „Grodek“ (1914)
    Franz Werfel: „Der Weltfreund“ (1911)
  • Motivation: gesellschaftliche Veränderungen durch Industrialisierung, Auflösungserscheinungen der gewohnten Familien- und Sozialstrukturen, Umwälzungen im Arbeitsleben bewirken Verunsicherung und Richtungslosigkeit
  • Themen: Großstadt, Weltende, Krieg, Tod, Verfall

Merkmale expressionistischer Lyrik

Die vorherrschende literarische Gattung des Expressionismus war die Lyrik, in der sich durch Brüche mit bis zu diesem Zeitpunkt geltenden Regeln die Themen der Zeit gut darstellen ließen.

  • Aneinanderreihung von Zeilen und Strophen, die jeweils separat für sich stehen (Reihungsstil, Parataxe);
  • bewusstes Auslassen von Wörtern, um Dynamik zu erzeugen;
  • Symbole und Wortneuschöpfungen (Neologismen)
  • Kontraste: Bruch mit herkömmlichen Regeln in Reim und Form auf der einen Seite, Verwendung besonders strenger Formen (z. B. Sonett) auf der anderen Seite
  • Zeilensprung (Enjambement)
  • Verzicht auf Grammatikregeln

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Was ist eine literarische Epoche?

Wenn du Literatur verstehen und deuten willst,
helfen dir dabei Informationen über die Zusammenhänge,
in denen sie entstanden ist.

Diese Zusammenhänge sind …

  • die Lebensumstände des Verfassers,
  • die Probleme, die es in der Zeit gab, als der Verfasser lebte,
  • die literarischen Vorbilder, auf die sich der Verfasser bezog,
  • neue Ideen, die in der Zeit entstanden sind.

Als Epoche bezeichnet man einen Zeitraum zwischen zwei Einschnitten oder Daten, in denen Gemeinsamkeiten einer bestimmten Textgruppe festzustellen sind. Diese Merkmale ermöglichen es, Texte von anderen Texten eines anderen Zeitraums zu unterscheiden.

Eine Epoche ist ein bestimmter Zeitraum, in dem Texte gemeinsame Merkmale haben. Die Kenntnis dieser Merkmale hilft dabei, Texte besser zu verstehen.

Das Wort „Epoche“ stammt vom griechischen epoché und bedeutet „Einschnitt, Hemmung“:

Was ist Literaturgeschichte?

Der Gegenstand der Literaturgeschichte ist die zeitliche Einordnung bedeutender literarischer Werke und ihrer Autoren =
Zuordnung zu bestimmten Epochen.

Die Zuordnung von Epochenbegriffen zu bestimmten Zeiträumen kann aus ganz unterschiedlichen Gründen erfolgen, z. B. …

  • politische Ereignisse (Die Literatur zwischen 1830 und 1848 wird etwa als „Vormärz“ bezeichnet, da sie vor der Märzrevolution 1848 enstanden ist.),
  • Philosophiegeschichte oder Religionsgeschichte (Literatur der Reformation oder der Aufklärung),
  • Stilbegriffe (Barock, Sturm und Drang) etc.

Die folgende Grafik stellt einen Versuch dar, den zeitlichen Verlauf der deutschen Literaturgeschichte zu strukturieren.

Epochenmerkmale kennen: Expressionismus

Wenn du dir verschiedene Literaturgeschichten ansiehst, stellst du fest, dass unterschiedliche Einteilungen möglich sind. Es gibt keine eindeutig festgelegte Zuordnung!



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