18.06.2020

Wertschätzung in der Schule

wertschätzung in der Schule

Wertschätzung ist mehr und mehr in unser Bewusstsein gerückt. Dem Begriff begegnen wir immer wieder im Alltag – auch in der Schule. Aber – was heißt Wertschätzung eigentlich im Kontext mit der Schule? Und wie kann sie im Schulalltag gelingen? Gedanken hierüber macht sich unsere Autorin Alexandra v. Plüskow-Kaminski.

 

Wertschätzung – was verbirgt sich hinter dem Begriff?

„Ich schätze dich wert – so, wie du bist.“  Dies ist der Kern der Wertschätzung. Einerseits wird eine Person so gesehen, wie sie ist. Ihre Persönlichkeit, ihre für sie bedeutsamen Anliegen werden ernstgenommen und anerkannt. Und genau diese Anerkennung wird durch Wertschätzung zum Ausdruck gebracht.

Dies können persönliche Worte sein oder auch kleine Gesten im Alltag. Hierbei geht es nicht um pauschales Lob, sondern um individuelle Rückmeldungen und Empathie

 

WertschätzungWertschätzung in schulischem Kontext

Das Bedürfnis nach Wertschätzung von Menschen ist allgegenwärtig. Im System Schule leben und arbeiten viele Menschen mit verschiedenen Aufgaben. Das sind die Schülerinnen und Schüler, die Lehrkräfte, das schulische Team wie etwa Lernbegleiterinnen und Lernbegleiter, pädagogische Fachkräfte, Verwaltungskräfte und Kräfte, die den Schulbetrieb aufrechterhalten (zum Beispiel Personal in den Kantinen, Hausmeister oder Hausmeisterin …).

Was macht den Lern- und Arbeitsort Schule zu einem Ort der Wertschätzung? In diesem Beitrag geht es vorrangig um Schülerinnen und Schüler, das pädagogische Team und die Eltern in der Schule – meint aber gleichzeitig das gesamte Schulteam.

 

Schülerinnen und Schüler

Lehrkräfte, pädagogisches Team und Eltern sollten zum Wohle des Kindes an einem Strang ziehen. Deshalb ist ein kontinuierlicher Austausch über das jeweilige Kind, den jeweiligen Jugendlichen wichtig. Essentiell ist, dass dieser Austausch im direkten Dialog mit dem Kind oder Jugendlichen erfolgt. Was ist dem Kind oder Jugendlichen persönlich bedeutsam? Wo steht es derzeit in seiner Entwicklung? Wo möchte es hin? Wie kann es diese Ziele erreichen?

Dabei sind sowohl Lernziele bedeutsam, aber auch soziale Ziele.

Schülerinnen und Schüler achten aber auch untereinander aufeinander. Was ist den Mitschülerinnen und Mitschülern bedeutsam? Was macht ein Mitschüler oder eine Mitschülerin, damit beispielsweise ein Lernprozess gelingt – oder das Klassenklima besonders gut ist? Über welche Kompetenzen verfügt ein Mitschüler oder eine Mitschülerin, damit der Alltag in der Schule gelingt? Was weiß ich über meine Mitschülerinnen und Mitschüler – und wie kann ich diese nach diesen Dingen fragen, um meine Empathie zum Ausdruck zu bringen? Wie kann ich meine Mitschülerinnen und Mitschüler in ihren Anliegen unterstützen?

Hilfreich ist dabei das Besinnen auf eigene Stärken. Dies kann beispielsweise durch einen Input durch Mitschülerinnen und Mitschüler erfolgen. Etwa durch Komplimente. Hierzu können Impulskarten im Klassenraum aushängen. Auch die Methode der „Lobenden Dusche“ ist motivierend. Hierzu wird ein Kind oder Jugendlicher der Klasse bestimmt. Alle Mitschülerinnen und Mitschüler schreiben ein Lob für dieses Kind auf. Im Kreis werden diese Lobe vorgelesen – und dem Kind übergeben. Für die meisten Kinder ist dies eine sehr wertvolle Ressource. Einige Kinder heben diese Lobduschen noch jahrelang auf und schauen sich diese immer wieder gern an.

 

Lehrkräfte und pädagogisches Team

Lehrkräfte und pädagogisches Team sollten ihre eigenes Mindset reflektieren. Wie schauen sie auf ihre Schülerinnen und Schüler und deren Eltern? Auf welche Weise achten sie auf deren Anliegen und Bedürfnisse? In welcher Form loben sie Schülerinnen und Schüler, aber auch Eltern und Kolleginnen und Kollegen – und wie oft? Wann und wie oft bedanken sie sich bei diesen Personen?

Auch die Lehrkräfte und das pädagogische Team werden in einem wertschätzenden, schulischen Kontext in ihren persönlichen Anliegen wahrgenommen. Diese Wahrnehmung erfolgt durch die Schulleitung, durch Kolleginnen und Kollegen sowie durch die Schülerinnen und Schüler und Eltern.

Welche Projekte führen sie mit den Schülerinnen und Schülern durch, die für deren Entwicklung bedeutsam sind? Was ist gerade sehr anstrengend – aber toll, dass die Lehrkraft oder pädagogische Fachkraft gerade diese Anstrengung im Sinne der Kinder oder der Kolleginnen und Kollegen annimmt.

 

Eltern

Wertschätzung inder FamilieEltern sind die Expertinnen und Experten für ihre Kinder. Sie verbringen viel Zeit mit ihnen und machen sich bezüglich des Schulbesuchs ihres Kindes an einigen Stellen Sorgen. Lehrkräfte und das pädagogische Team sollten diese Sorgen annehmen und den Eltern respektvoll begegnen.

Eltern sollten darüber hinaus für ihre Leistung, Tag für Tag für ihre Kinder zu sorgen und in ihren schulischen Anliegen zu unterstützen, Anerkennung und Lob erfahren.

Ein Klassiker für Ärger in der Schule sind Gespräche zwischen Lehrkräften und Eltern. Bedeutsam ist hier, dass diese nicht zwischen Tür und Angel stattfinden – sondern zu zuvor vereinbarten Terminen. Ein schöner Raum, in dem die Gesprächsteilnehmer nicht gestört werden, trägt sehr zu einer angenehmen Gesprächsatmosphäre bei. Wichtig ist, dass die Gesprächsteilnehmer ihre Anliegen sachlich vortragen. Sollte dies nicht gelingen, so ist durchaus die Frage zu stellen, was hinter dieser Aufregung steckt. Welche Sorgen, welche Nöte tragen diese Eltern mit sich herum? Sowohl Eltern als auch Lehrkräfte sollten in diesen Gesprächen Vorwürfe vermeiden und möglichst „Ich-Botschaften“ senden.

Ein Dankeschön für das Vertrauen, dass die Eltern der Lehrkraft entgegenbringen vonseiten der Lehrkraft wirkt häufig Wunder.

 

Eine wertschätzende Schulkultur

Wertschätzung in der Schule hat viele Gesichter. Wichtig ist das Mindset, das alle Mitglieder der Schulgemeinschaft von Zeit zu Zeit überprüfen sollten. Wo kann Wertschätzung noch zum Ausdruck gebracht werden? Beispielsweise ist das Sichtbar-Machen von den in der Schule vorhandenen vielfältigen Muttersprachen ein Ausdruck der Wertschätzung von Diversität. Gut durchdachte Aufgaben für Klassen- oder Schuldienste – am besten partizipativ mit den Schülerinnen und Schülern entwickelt – zeigen, dass jedes Kind, jeder Jugendliche in seiner Individualität gesehen wird. Eine transparente und gemeinsam gestaltete Feedbackkultur, die alle an der Schule beteiligten Personen, leben, trägt ebenfalls zu einer wertschätzenden Schulkultur bei.

Und nicht zuletzt, sollte das Mindset der Offenheit und Wertschätzung im Leitbild der Schule verankert sein und beispielsweise durch kleine Gesten der Aufmerksamkeit Tag für Tag gelebt werden.

 

Bildquellen: PIXABAY.de

  • Wokandapix
  • Geralt
  • philipneo

 

Ein Buchtipp:

Reinhard Haller. Das Wunder der Wertschätzung. Wie wir andere stark machen und dabei selbst stärker werden. GU. 2019


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Alexandra von Plüskow -Kaminski

Alexandra von Plüskow -Kaminski

Alexandra von Plüskow - Kaminski ist Lehrerin. Derzeit arbeitet sie in Abordnung des Landes Niedersachsen als Bildungskoordinatorin der Bildungslandschaft Heidekreis und als Beraterin für Sprachbildung und Interkulturelle Bildung im Sprachbildungszentrum Lüneburg der Niedersächsischen Landesschulbehörde. Sie war mehrere Jahre in der Lehrkräfte-Ausbildung an den Universitäten Koblenz-Landau und Leuphana Lüneburg tätig und verfasst als freie Fachjournalistin Texte zu pädagogischen Themen für verschiedene Magazine und Verlage.