25.09.2020

Veränderungen begegnen im neuen Schuljahr

Die ersten Wochen eines neuen Schuljahrs sind in jedem Jahr spannend. Denn eins bringen sie auf jeden Fall mit sich: Veränderung. Einerseits geht es in ein weiteres Schuljahr. Da gibt es neue Fächer, neue Lehrkräfte und häufig auch neue Klassenkameradinnen und Klassenkameraden. Für manche Kinder geht es sogar in eine neue Schule oder in eine neue Klassengemeinschaft. In diesem Jahr ist der Schuljahresanfang mit vielen zusätzlichen Herausforderungen versehen. Welche Hygienemaßnahmen sind in der Schule zu beachten? Wie ist mit zusätzlichem Homeschooling umzugehen? In welcher Form finden die gewohnten Freizeitaktivitäten statt?

In diesen Zeiten ist es besonders wichtig, dass euer Kind Fähigkeiten und Fertigkeiten an die Hand bekommt, um Veränderungsprozesse mit Blick auf den Schuljahresbeginn gut zu meistern. Dabei könnt ihr es maßgeblich unterstützen. Ich habe euch fünf Tipps zusammengestellt, die dabei nützlich sind.

1. Über die Veränderung redenDer Zauber guter Gespräche

Das wichtigste Werkzeug, das ihr im Umgang mit eurem Kind bei Veränderungen anwenden könnt, ist die Kunst, Gespräche gut zu führen. Sprecht über Veränderungen. Sprecht darüber, was Veränderungen bei euch auslösen – welche Sorgen, aber auch welche Erwartungen und freudigen Gedanken. Hört eurem Kind aktiv zu und fragt auch nach, wenn ihr im Gespräch seid. Da kann kein Gedanke, keine Sorge, keine Erwartung richtig oder falsch sein. In einem meiner Lieblingsbücher dieses Sommers, dem Buch „Der Zauber guter Gespräche“ von Ulrike Döpfner verweist die Autorin auf Maria Montessori, der es darum ging, Kindern und Jugendlichen zu „erlauben, sich zu offenbaren.“ Offenheit auf beiden Seiten und das Interesse an der Person und Motivation des Kindes oder Jugendlichen bilden eine wichtige Grundlage für gelingende Gespräche.

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Eine Zauberformel für gelingende Gespräche sind übrigens die offenen W-Fragen. Versucht, möglichst wenige Fragen zu verwenden, die mit Ja oder Nein zu beantworten sind. Offene Fragen sind zum Beispiel: „Wie genau fühlt sich das an?“ – „Wie sieht ein perfekter Schultag für dich aus?“ – „Mit wem möchtest du zusammenarbeiten?“ – „Was ist noch wichtig für dich?“

 

2. Veränderung als Neuanfang begreifen

Veränderungen irritieren häufig und es braucht ein wenig Zeit, sich an diese zu gewöhnen. Aber dies wird so viel leichter, wenn ihr und euer Kind Veränderung als Neuanfang begreift. Im Neuanfang stecken viele Chancen. So bringen neue Lehrkräfte frischen Wind in eingefahrene Lerngruppen. Neue Fächer setzen neue Impulse – euer Kind kann sich selbst ggf. ganz neu entdecken. In neuen Lerngruppen steckt die Chance, neue Freundinnen und Freunde zu finden. Und der digitale Unterricht zeigt auf einmal ganz neue Wege des differenzierenden Lernens auf.

Gemeinsam mit eurem Kind könnt ihr euch am Morgen darüber austauschen, worauf ihr euch an diesem Tag freut. Abends sprecht ihr darüber, was schön war – was ganz anders gelaufen ist, als erwartet. Und was daran trotzdem gut war. Dieses kleine Reflexions-Ritual unterstützt das positive Mindset eures Kindes.

 

3. Sich seiner eigenen Stärken und Erfolge bewusst sein

Ja, Veränderung bringt manche Sorge hervor. Wenn euer Kind sich seiner Stärken und Erfolge bewusst ist, geht es aber viel selbstbewusster damit um. Neben guten Gesprächen hierüber könnt ihr beispielsweise einmal euer Kind bitten, seine zehn Stärken und seine liebsten Erfolge aufzuschreiben oder eine Collage aus Bildern dazu zu gestalten.

Das können kleine und große Erfolge und Stärken sein:

  • Der gewonnene Vorlesewettbewerb.
  • Das Meistern einer Schwimmprüfung.
  • Das Halten eines Tores.
  • Dass es euch bei etwas geholfen hat.
  • Wofür es gelobt worden ist.

Tipp: Häufig hilft es eurem Kind, sich seine Stärken und Erfolge bewusst zu machen, wenn ihr die Frage stellt: Wofür bewundern dich deine Freunde und Freundinnen?

 

4. Ziele definieren

Veränderungen meistern sich leichter, wenn man sich Ziele steckt. Was möchte euer Kind in diesem Schuljahr erreichen – in der Schule, in der Freizeit und privat? Sprecht darüber und unterstützt es dabei, realistische Ziele zu finden. Die Englischnote soll sich verbessern? Dann ist es beispielsweise ein Anfang, jeden Tag zehn Minuten Lernzeit für die Vokabeln einzuplanen. In der Freizeit möchte es aktiver werden? Dann sollte es konkret benennen, wie es das schaffen möchte. Zum Beispiel: Ich möchte mich jeden Tag eine Stunde lang an der frischen Luft bewegen. Dafür jogge ich entweder oder treffe mich mit meinen Freunden bzw. Freundinnen zum Fußball Spielen.

Es ist gut, sich für diese Ziele so genannte „Ziel-Buddies“ zu suchen, denen euer Kind von den Zielen erzählt. Ihr kennt den Effekt: Neujahrsvorsätze halten wir auch eher ein, wenn wir anderen Menschen davon erzählt haben.

Und: Ein Belohnungssystem hilft, durchzuhalten. Pro durchgeführtem Ziel (etwa pro Vokabellernen oder pro Stunde Bewegung an der frischen Luft) gibt es einen Punkt. Bei zehn Punkten gibt es eine vorher definierte Belohnung, zum Beispiel ein gemeinsamer Ausflug, Schwimmen Gehen, einen Kinoabend zuhause …

 

5. Die Kraft der kleinen Schritte

Veränderungen beginnen mit kleinen Schritten. Um wirklich nachhaltig das eigene Verhalten zu verändern, braucht es kleine Gewohnheiten, die nicht viel Mühe kosten. Und so ändern sich nach und nach auch weitere Dinge. Wenn euer Kind beispielsweise zehn Minuten pro Tag Vokabeln gelernt hat, macht es vielleicht doppelt so viel Spaß die Serie auf Englisch (mit Untertiteln) zu schauen.

Veränderungen sind an manchen Stellen ungewiss und irritieren. Wenn ihr euer Kind auf dem Weg unterstützt, dies aber auch als Chance zu begreifen, wird es diesen Weg Schritt für Schritt selbstbewusst meistern. Und – nicht umsonst heißt das französische Wort „chance“ auf Deutsch „Glück!“

 

Bildquellen:

  • Pixabay – OyeHaHa
  • Beltz

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Alexandra von Plüskow -Kaminski

Alexandra von Plüskow -Kaminski

Alexandra von Plüskow - Kaminski ist Lehrerin. Derzeit arbeitet sie in Abordnung des Landes Niedersachsen als Bildungskoordinatorin der Bildungslandschaft Heidekreis und als Beraterin für Sprachbildung und Interkulturelle Bildung im Sprachbildungszentrum Lüneburg der Niedersächsischen Landesschulbehörde. Sie war mehrere Jahre in der Lehrkräfte-Ausbildung an den Universitäten Koblenz-Landau und Leuphana Lüneburg tätig und verfasst als freie Fachjournalistin Texte zu pädagogischen Themen für verschiedene Magazine und Verlage.