09.01.2019

Mehrsprachigkeit fördern – zu Hause und in der Schule

Mehrsprachigkeit

Das sollten Eltern und Lehrkräfte wissen

Das Thema der „Mehrsprachigkeit“ ist derzeit in aller Munde. Doch – was heißt es, wenn Kinder mehrsprachig aufwachsen? Auf welche Dinge sollten Eltern und Lehrkräfte achten? Und wie unterstützen Eltern ihre Kinder zu Hause und in der Schule möglichst effektiv, um deren Mehrsprachigkeit zu fördern? Der folgende Beitrag nennt wichtige Grundsätze hierzu.

Was ist Mehrsprachigkeit?

Es gibt verschiedene Definitionen von Mehrsprachigkeit. Vereinfacht gesagt, wächst ein Kind oder eine Jugendliche bzw. ein Jugendlicher mehrsprachig auf, wenn sie oder er sich im Alltag in zwei oder mehreren Sprachen bewegen kann.

Mehrsprachig aufwachsende Kinder und Jugendliche sind in der Lage, diese Sprachen parallel zu erwerben. Die Kinder und Jugendlichen bedienen sich beider Sprachen. In vielen Fällen äußert sich dies etwa in Form eines „Code-Switchings“. Das bedeutet, dass sie ab und an in den Sprachen hin- und herspringen oder auch beim Sprechen einzelne Begriffe der anderen Sprache verwenden. 

Kennzeichnend für Mehrsprachigkeit ist es, dass es sich hierbei um einen Prozess handelt, der nicht abschließt.

Eltern machen sich häufig Sorgen darüber, ob eine Mehrsprachigkeit nicht eher verwirrend für ihr Kind sein könnte. Doch hierfür gibt es keinen Anlass. Wissenschaftlich gibt es ebenfalls keine Anzeichen dafür.

Auch ist es so, dass jedes Kind eine andere „Mehrsprachigkeits-Biographie“ hat. Jeder dieser Spracherwerbsprozesse verläuft anders und unter anderen Bedingungen. Dies sollten Eltern und Lehrkräfte im Blick behalten, wenn sie mehrsprachige Kinder fördern möchten.

Mehrsprachigkeit – wie gehen Eltern damit zu Hause um?

Wichtig ist, dass Sie mit Ihrem Kind die Sprache sprechen, in der Sie sich zu Hause fühlen. Selbst wenn Sie und ihr Partner bzw. Ihre Partnerin zwei verschiedene Sprachen sprechen, so ist Ihr Kind in der Lage, diese Sprachen im Spracherwerbsprozess parallel zu lernen. Hierbei sollten Sie allerdings stets den Grundsatz: „eine Person, eine Sprache“ beachten. Bleiben Sie also bei der Sprache, in der Sie mit Ihrem Kind bevorzugt kommunizieren.

Ist dies nicht die deutsche Sprache und spricht Ihr Partner bzw. Ihre Partnerin auch nicht deutsch, so gibt es zahlreiche Möglichkeiten, dass Ihr Kind außerhalb des Elternhauses mit der deutschen Sprache in Kontakt kommt. So zum Beispiel durch den Besuch einer Kindertagesstätte oder einer schulischen Einrichtung. Auch Verabredungen mit deutschsprachigen Kindern oder das Wahrnehmen von Freizeit- und Kulturangeboten in der deutschen Sprache sind hilfreich, um auch diese Sprache zusätzlich im Alltag zu erwerben.  Vielleicht haben Sie aber auch Lust, mit Ihrem Kind beispielsweise zweisprachige Bücher zu lesen oder Filme in Ihrer Muttersprache mit deutschen Untertiteln zu sehen. So unterstützen Sie en passant die Mehrsprachigkeit Ihres Kindes.

Mehrsprachigkeit in der Schule

In unseren Schulen gewinnt Mehrsprachigkeit immer mehr an Bedeutung. Nicht zuletzt, weil erkannt wird, welchen wertvollen Schatz mehrsprachige Kinder und Eltern in die Einrichtungen tragen -und zwar nicht nur in Form ihrer Sprachen, sondern auch in Form ihrer Kulturen.

Mehrsprachig aufwachsende Kinder verfügen häufig über die Fähigkeiten, die wichtig sind, um beispielsweise Sprachen zu lernen. Sie haben in den meisten Fällen eine ausgeprägte Language Awareness, also die Fähigkeit, sich auf Gemeinsamkeiten und Unterschiede von Sprachen einzulassen und über diese zu reflektieren. Es fällt ihnen oft leichter, eine fremde Sprache zu erlernen. Dass sie über besondere sprachliche Fähigkeiten verfügen, sollte hier besonders berücksichtigt und einbezogen werden. Etwa, indem sie in ihrer Sprache kurze Texte vorlesen und die Lerngruppe gemeinsam darüber reflektiert.

Im Zuge einer Erziehungs- und Bildungspartnerschaft zwischen Schule und Elternhaus kommt Ihnen als mehrsprachiges Elternteil auch eine besondere Bedeutung zu. Sie verfügen über besondere sprachliche Kenntnisse, über die die Lehrkräfte in vielen Fällen nicht verfügen. Bieten Sie in der Einrichtung Ihres Kindes diese Expertise an. So können Sie beispielsweise einmal einen Text in Ihrer Sprache vorlesen oder ein Experiment der Lehrkraft in Ihrer Muttersprache sprachlich begleiten. Bieten Sie Unterstützung an zum Beispiel in Form von Übersetzungen bzw. Dolmetschen. Oder aber gestalten Sie gemeinsam mit Lehrkräften oder anderem pädagogischen Personal der Schule ein mehrsprachiges Elterncafé, das regelmäßig stattfindet. Auch interkulturelle Feste und Feierlichkeiten können Sie maßgeblich mitgestalten.

Regen Sie zum Beispiel in der Schule Ihres Kindes an, dass Mehrsprachigkeit sichtbar wird. Im Eingang können Informationen in den Sprachen hängen, die die Kinder in dieser Einrichtung sprechen.

Wenn Sie Ihrem Kind einen authentischen Spracherwerb in mehreren Sprachen ermöglichen, so legen Sie wichtige Grundsteine für seinen späteren schulischen und beruflichen Erfolg. Denn mehrsprachige Kinder und Jugendliche sind vielerorts gerade mit Blick auf die berufliche Entwicklung gefragt. Dies ist ein wichtiges Plus, das sie in einer globalisierten Arbeitswelt sowohl hinsichtlich ihrer Sprachenvielfalt aber auch Ihrer interkulturellen Kompetenzen mitbringen.

Bildquelle:

olilynch @ pixabay


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Alexandra von Plüskow -Kaminski

Alexandra von Plüskow -Kaminski

Alexandra von Plüskow - Kaminski ist Lehrerin. Derzeit arbeitet sie in Abordnung des Landes Niedersachsen als Bildungskoordinatorin der Bildungslandschaft Heidekreis und als Beraterin für Sprachbildung und Interkulturelle Bildung im Sprachbildungszentrum Lüneburg der Niedersächsischen Landesschulbehörde. Sie war mehrere Jahre in der Lehrkräfte-Ausbildung an den Universitäten Koblenz-Landau und Leuphana Lüneburg tätig und verfasst als freie Fachjournalistin Texte zu pädagogischen Themen für verschiedene Magazine und Verlage.

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