12.06.2019

Mediennutzung in der Familie – Auswirkung der Digitalisierung auf den Familienalltag

Smartphone, Tablet und Co. sind aus dem modernen Familienalltag nicht mehr wegzudenken. Für Kinder sind sie ein beliebter Zeitvertreib, aber auch Eltern nutzen sie häufig. Wie genau die Mediennutzung in deutschen Familien aussieht und wie Sie Ihre Kinder mit den Medien kindgerecht erziehen, erfahren Sie in diesem Artikel.

Mediennutzung der Eltern:

Nie war es so leicht an Informationen zur Kindererziehung zu kommen oder sich direkt mit anderen Eltern auszutauschen. Daher nutzen 60 % der Eltern regelmäßig das Internet, um Einblicke in andere Erziehungsmethoden zu erlangen. 40,4 % der Mütter informieren sich zudem gerne in Communities und Gruppen zum Thema Baby, Kind und Familie. 74 % der Eltern verwenden ihr Smartphone, um den Familienalltag beispielsweise mit Apps zu organisieren.

Welche Informationsquellen besonders gerne genutzt werden, zeigt diese Grafik:

 

Weitere Infos zum Einfluss der Digitalisierung auf das Familienleben gibt es auf kartenmacherei.de

 

Die Nachfrage nach digitaler Unterstützung für die Eltern wächst. Besonders in neuen Situationen, in denen Eltern Rat oder Hilfe benötigen, suchen sie vermehrt nach digitalen Helfern, sagt Expertin Anna Figoluschka, Gründerin der KidPick-App und Initiatorin des Netzwerks „Digitale Elternhelfer“. Auch nach rechtlicher Unterstützung in Bezug auf Mutterschutz, Elternzeit, Kindergeld oder dem Wiedereinstieg wird häufig gesucht. Nach der Geburt des Kindes folgt dann die Suche nach Betreuung mit beispielsweise „Babyphone-Apps“.

In der Zukunft wird sich auf dem digitalen Markt für Eltern viel tun, so Figoluschka:

„Das Angebot an digitalen Lösungen wird wachsen.  Es wird für jeden Eltern-Kind-Bereich eigene, individuelle Apps und Angebote geben – je nach Bedarf. Vermutlich wird der Medizinische- sowie der Ernährungs- und Gesundheitsbereich am schnellsten durchdigitalisiert werden, da es da den größten Bedarf und das meiste Kapital gibt. Im Bildungsbereich wird sich viel ändern und dank Digitalpakt hoffentlich auch schnell auf institutioneller Ebene.

Wünschenswert wäre ein Umdenken im Bereich »Mobilität und Sharing«, da gerade das „Hin-und-Her-Kutschieren“ der Kinder viel zum allgemeinen Verkehrsaufkommen beiträgt. Dabei könnte man durch „Mobilität auf Knopfdruck“, bspw. durch Carsharing oder geschulte, zertifizierte „Kinderchauffeure“, etwas davon minimieren und Eltern so den Stress im Alltag reduzieren. Auf Arbeitgeber wird der Druck wachsen, Angebote zur Vereinbarkeit, Eltern-Kind-Büros und Betriebs-Kinderbetreuung anzubieten.“

Aber auch Eltern nutzen ihre digitalen Geräte zum Zeitvertreib. Circa ein Drittel der Mütter verkünden die Geburt Ihres Babys per WhatsApp. Erst auf Platz zwei folgt die persönliche Mitteilung (62,4 %). Über das Telefon überbringen 49,9 % die frohe Kunde und jede fünfte Mutter widmet der Geburt einen Facebook Post.

 

Mediennutzung der Kinder

Kinder wachsen heutzutage ganz selbstverständlich mit digitalen Medien auf. Schon von klein auf lernen sie, Tablets, PCs und Smartphones zu bedienen und einen Internetzugang zu besitzen, mit dem sie jederzeit an Informationen kommen.

Jugendliche verbringen inzwischen circa 3,5 Stunden online. Das ist doppelt so viel Zeit, wie noch vor 10 Jahren. Der Großteil davon wird am Smartphone verbracht.

Häufig setzen Eltern strikte Regeln zum Besuch bestimmter Internetseiten auf. Drei Viertel der Eltern gelingt dies auch. Was die Nutzungsdauer von Spielen betrifft, sind sie jedoch meist weniger erfolgreich– nur 49 % können sich hier durchsetzen.

Diese Grafik zeigt, welche Geräte von Kindern und Jugendlichen zwischen 12 und 19 Jahren besonders häufig genutzt werden:

 

Digitale Familie – eine Grafik von kartenmacherei.de

 

Es ist kein Wunder, dass das Smartphone in der Gerätenutzung an erster Stelle steht. Über die Hälfte der Eltern von 12- bis 19-Jährigen geben an, mit Ihren Kindern per Textnachricht zu kommunizieren. Fast ein Drittel war es bei den 6- bis 11-Jährigen.

Dabei sollte Mediennutzung von vornherein nicht gleich verteufelt werden. So glauben 26 % der Eltern an eine positive Auswirkung der Onlinemedien auf ihre Kinder. 51 % glauben daran, dass die Mediennutzung sowohl positive als auch negative Auswirkungen hat. Nur 15 % vermuten eher negative Folgen.

Das Internet ist heute Informationsbeschaffungsquelle Nummer eins, so auch für den heutigen Nachwuchs. Viele Eltern sehen daher in den digitalen Medien auch eine Unterstützung zum Lernen, wie die folgende Grafik zeigt:

 

Digitale Familie – eine Grafik von kartenmacherei.de

 

Expertentipps zur Medienerziehung

In mehreren Experteninterviews mit Medienpädagogen sowie einer Helferin des deutschen Kindernetzwerks geht klar hervor:

Führen Sie respektvolle, sachliche und vorurteilsfreie Gespräche mit Ihren Kindern: Fragen Sie ihr Kind öfter Mal, was gerade so wichtig ist, reflektieren Sie Ihre eigene Mediennutzung und vertrauen Sie ihrem Kind, dass es lernt, mit Alltagsproblemen allein fertig zu werden und dass es Sie nicht provozieren oder enttäuschen will.

Klären Sie es über die Gefahren des Internets wie Cybermobbing, nicht jugendfreie Inhalte oder Datenklau auf, aber gewähren Sie auch genügend Freiraum. Das Smartphone ist heute vergleichbar mit dem Tagebuch: es ist privat! Respektieren Sie das und greifen Sie nur ein, wenn Sie den Verdacht haben, dass Ihr Kind unter der Nutzung leidet.

Stellen Sie Ihren Kindern Fragen zur Mediennutzung. Sie werden überrascht sein, wie viel sie über Ihren Nachwuchs noch erfahren können. So steht einer medienkompetenten Erziehung nichts mehr im Wege!

Bild: © mpjzagrebinfo | pixabay.com


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Marlene Mantz

Marlene Mantz

Marlene Mantz ist Content Marketing Managerin bei der Peak Ace AG in Berlin und schreibt regelmäßig über Themen aus der digitalen Welt. Sie hat bereits an mehreren Studien mitgewirkt und besucht regelmäßig Konferenzen und Meetups, um über die neusten Medientrends auf dem Laufenden zu bleiben.

Kommentare

Nicole Richter

Dass smarte Geräte das Leben von uns Erwachsenen und unseren Kindern bestimmen und in vielen Bereichen auch subjektiv erleichtern ist ja keine Frage. Doch richtig ist auch, dass das Smartphone viel Zeit frisst und der Ablenker Nummer 1 beim Lernen ist (sofern das Handy als vermeintliches Lernhelferlein dabei sein darf). Hier hilft nur als Eltern sehr klar zu sein und mit den Kids gemeinsam das Handynutzungsverhalten zu reflektieren und Regeln zu finden. Bei uns zu Hause gilt: Das Handy hat bei den Hausaufgaben nichts zu suchen. Damit aber Informationen nachgeschlagen, sinnvoll Apps (wie z.B. Hier von kapiert.de) genutzt werden können haben wir ein Tablet angeschafft, auf dem nur zum Lernen notwendige Apps installiert sind: Wörterbücher, webbrowser, bestimmte Lernapps etc. Aber eben kein Instagram, Whatsapp oder Spiele.
Das reduziert Diskussionen und die Ablenkung.
Außerdem gibt es klare Offline-Zonen: beim Essen, beim Fernsehen, im Schlaf- und Kinderzimmer, wenn Freunde zum Spielen da sind.
Alle Regeln werden immer wieder auf Sinnhaftigkeit überprüft und neu verhandelt. Und ja – auch als Mama muss ich mir manchmal anhören: „Hey! Offline Zone!“
Und das ist absolut richtig und gut so.

 
    

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