17.11.2016

Hilfe, mein Kind kann sich nicht organisieren

den Schulalltag besser organisieren

Ihr Kind verliert ständig Dinge? Es vergisst, Aufgaben zu erledigen? Oder es leidet unter der „Aufschieberitis“? Wegschauen – oder nachhaken? Wie Sie als Eltern Ihr Kind sinnvoll unterstützen, damit es lernt, sich selbst zu organisieren, nennt der folgende Beitrag.

Organisation als A und O

Sie wissen es selbst aus Ihrem Alltag: Gut organisiert zu sein, ist das A und O für eine produktive Arbeit und auch im Familienleben. Wenn man einmal die Zügel lockerer lässt, passieren Pannen, die sich in einem gut strukturieren Alltag vermeiden lassen.

Auch Ihr Kind sollte es beizeiten lernen, sich selbst, seine schulischen Angelegenheiten sowie seine Materialien gut zu arrangieren. Was aber kann es als Schulkind schon leisten – und wie können Sie als Eltern helfen, diese Fähigkeit anzubahnen und auszubauen?

Gemeinsame Ordnungszeiten

Sinnvoll ist es, wenn Sie zunächst mehr, später weniger als Unterstützung bei der Organisation der vielfältigen Anforderungen bereit stehen. Bewährt hat es sich, wenn sich Kinder und Eltern abends zu einer kurzen Organisationsrunde zusammen setzen. Dies dauert in der Regel nur etwa zehn Minuten. Hierbei besprechen Sie kurz, was am kommenden Tag ansteht. Das Aufschieben von Dingen gilt nicht!

Der bereits gepackte Schulranzen wird bereit gestellt, Sportzeug oder ähnliche Materialien dazu gelegt. Auch bietet es sich an, dass Ihr Kind sich die Kleidung für den kommenden Tag aussucht und herauslegt.

Strukturierte Abläufe

Unterstützen Sie Ihr Kind dabei, den Tagesablauf zu strukturieren. So sollte es morgens beispielsweise keine Hetze geben, wenn rechtzeitig aufgestanden wird und alles nach einem festen Zeitplan organisiert ist.

Hilfreich ist es außerdem, wenn Ihr Kind nach der Schule beispielsweise die Brotdose und die Trinkflasche gleich in die Küche bringt. Auch Hausaufgaben sollten zu festen Terminen erledigt werden. Der Abend sollte außerdem nach einem gleichmäßigen Ritual gestaltet werden.

Nicht nur ältere Kinder brauchen Zeiten für sich, in denen sie sich zurückziehen können und auch in bestimmten Zeiträumen mit ihren Medien umgehen dürfen. Wann diese Zeiten in Ihren Tag passen, sollten Sie innerhalb der Familie gemeinsam festlegen.

Arbeitsplatz

Ihr Kind sollte einen festen Arbeitsplatz haben, an dem es seine Hausaufgaben erledigt. Dies sollte nach Möglichkeit nicht der Küchentisch sein, sondern es sollte einen Platz in einem Raum finden, an dem es nicht gestört werden kann. So zum Beispiel am eigenen Schreibtisch in seinem Zimmer. Halten Sie äußere Einflüsse wie etwas das Radio, den Fernseher oder auch das Geräusch eines Staubsaugers fern von diesem Platz.

Das Smartphone oder ein iPod haben hier nichts verloren und sollten an einem zentralen Platz in Ihrem Haushalt gelagert werden.

An seinem Arbeitsplatz sollte Ihr Kind in Ruhe und ohne Ablenkungen arbeiten können. Wichtig ist auch, dass der Arbeitsplatz aufgeräumt ist und über ausreichende Lichtquellen verfügt. Hier sollte Ihr Kind all das vorfinden, was es zum Arbeiten benötigt. Ältere Kinder sollten die Möglichkeit haben, Dinge in Wörterbüchern oder auch in Lexika nachzuschlagen. Auch Arbeitsmaterial, das es zum Lernen benötigt, wie etwa Karteikarten, Tinte, Hefte und Blöcke sollten etwa in einem Regal oder in einer Schublade gelagert werden.

Hausaufgaben

Ihr Kind vergisst öfter die Hausaufgaben? Dann sollten Sie mit der Lehrkraft ins Gespräch kommen. Welche Möglichkeiten hat diese, in der Schule zu überprüfen, ob es sich die Aufgaben strukturiert in einem extra angelegten Hausaufgabenheft notiert? Gibt es außerdem die Möglichkeit, dort die Termine für Klassenarbeiten festzuhalten? Dieser Termine sollten zu Hause gleich in einen Familienplaner übertragen werden.

Hausaufgaben sollten pro Fach in der Grundschule nicht mehr als 20 Minuten, allerhöchstens 30 Minuten in Anspruch nehmen. Ihr Kind sollte allerdings dabei konzentriert arbeiten. Mit zunehmendem Alter nimmt diese Zeit natürlich an Dauer zu. Verabreden Sie mit der Lehrkraft, dass Sie Ihr Kind beim Erledigen der Hausaufgaben unterstützen und eine kurze Notiz unter die Hausaufgaben setzen, wenn Ihr Kind diese in dem dafür vorgesehenen Zeitraum nicht bewältigen kann.

Grundsätzlich gilt: Die Kinder sollten die Hausaufgaben allein erledigen. Gibt es allerdings Probleme, so sollten Eltern ihr Kind durchaus unterstützen dürfen.

Alles vergessen?

Damit Ihr Kind Dinge besser behält – so etwa: Am Freitag nehme ich das Sportzeug mit! -, können Sie es mithilfe von kleinen Erinnerungszetteln unterstützen. So hilft eine kleine Haftnotiz an der Haustüre dabei, an den Schlüssel zu denken oder auch an das Sportzeug.

Aufgaben übertragen

Überlegen Sie, welche Aufgaben Ihr Kind im Haushalt übernehmen kann, und wo es bereits Verantwortung tragen kann. So lernt es, strukturiert vorzugehen und hat gleichsam das gute Gefühl, eine wichtige Aufgabe bewältigt zu haben. Diese Aufgaben sollten seinen Neigungen entsprechen. So kann es beispielsweise schrittweise Verantwortung bei der Versorgung des Haustieres übernehmen oder auch Dinge einkaufen (die es sich merkt) oder den Tisch decken.

Nichts hilft?

Wenn Sie der Gedanke plagt, Ihr Kind sei zu unstrukturiert und chaotisch, so sollten Sie zunächst das Gespräch mit seiner Lehrkraft aufnehmen. Wie zeigt es sich im Unterricht? Sprechen Sie auch mit Personen, die Ihrem Kind nahe stehen – so etwa Großeltern, Sporttrainer, Nachmittagsbetreuer. Sollte sich der Eindruck bestätigen, so sollten Sie zum Beispiel den Schulpsychologischen Dienst zu Rate ziehen. Die Kontaktadresse erhalten Sie an der Schule Ihres Kindes oder unter: www.schulpsychologie.de

Eine weitere Möglichkeit ist es, den Kinder- und Jugendarzt Ihres Kindes zu konsultieren. Dieser wird Ihnen weitere Schritte empfehlen. So könnte es in manchen Fällen sinnvoll sein, eine Lerntherapie in Anspruch zu nehmen. In anderen Fällen ist es hilfreich, den Familienalltag durch kleine Änderungen zu modifizieren.


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Alexandra von Plüskow -Kaminski

Alexandra von Plüskow -Kaminski

Alexandra von Plüskow - Kaminski ist Lehrerin. Derzeit arbeitet sie in Abordnung des Landes Niedersachsen als Bildungskoordinatorin der Bildungslandschaft Heidekreis und als Beraterin für Sprachbildung und Interkulturelle Bildung im Sprachbildungszentrum Lüneburg der Niedersächsischen Landesschulbehörde. Sie war mehrere Jahre in der Lehrkräfte-Ausbildung an den Universitäten Koblenz-Landau und Leuphana Lüneburg tätig und verfasst als freie Fachjournalistin Texte zu pädagogischen Themen für verschiedene Magazine und Verlage.

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