08.07.2016

Büffeln wenn andere baden – Ferienkurse boomen

Ferien gestrichen? Büffen statt baden

Fast überall haben die Sommerferien begonnen – herrlich! Für viele Schüler und Eltern beginnt nun die schönste Zeit des Jahres. Sechs Wochen lang faulenzen, sechs Wochen ohne Prüfungsstress, Hausaufgaben oder Noten. Doch nicht alle liegen auf der faulen Haut. Seit einigen Jahren ist auch in Deutschland ein Trend zu beobachten, der etwa in den Vereinigten Staaten schon Tradition hat. Feriencamps oder Ferienkurse sollen alle die fit machen, die mit ihren Leistungen im vergangenen Schuljahr nicht ganz zufrieden waren.

Büffeln in den Ferien gehört ohnehin für viele zum Standardprogramm. Gut die Hälfte aller Schülerinnen und Schüler beschäftigen sich nach Umfragen auch während der Ferien mit dem Unterrichtsstoff. Viele auf eigene Faust, eine zunehmende Anzahl jedoch in organisierten Kursen und Freizeiten. Schon  2010 gaben Eltern in Deutschland gut 1,5 Milliarden Euro im Jahr für Nachhilfe aus, Tendenz steigend. Ein steigender Anteil dieser Summe entfällt auf Ferienkurse, besonders beliebt sind die Fächer Englisch und Mathe.

Ob Sprachlernkurs oder Nachhilfe, ob Motivationskurs oder Vorbereitung aufs Abi – für jeden Bedarf und jedes Leistungsniveau stehen inzwischen Anbieter bereit. Gelernt wird vor Ort oder in Feriencamps, im Inland oder – bei Sprachen beliebt – im Ausland. Ferienkurse werden bereits für Kinder im Grundschulalter angeboten, viele Anbieter starten allerdings mit der Altersgruppe ab 12 Jahren. Empfehlenswert sind die Kurse nach Expertenmeinung jedoch vor allem für ältere Schüler ab ca. 15 Jahren. Sie hätten ein eigenes „zweckgebundenes“ Interesse am Lernen und mehr Motivation, weil sie den Sinn der Büffelei eher nachvollziehen könnten. Wenn das vorhanden sei und die Qualität des Ferienkurses stimmt, könnten solche Angebote durchaus Sinn machen, finden  auch Verbraucherschützer.

Die Qual der Wahl: Den richtigen Anbieter finden

Bei der Auswahl der richtigen Lerneinrichtung stehen Eltern vor einem Überangebot. Geschätzte 3.000 bis 4.000 Anbieter wollen in Deutschland am Nachhilfe-Markt mitverdienen, viele davon auch mit Ferienkursen. Privatpersonen, lokale Bildungsträger und überregionale Anbieter machen sich den Markt streitig. Bei der Entscheidung für ein bestimmtes Angebot können Eltern auf diese Kriterien achten:

  • Persönliche Empfehlung ist nach wie vor eines der besten Auswahlkriterien. Besser als Prospekte oder Anzeigen informieren Menschen, die persönliche Erfahrungen mit einem Anbieter gemacht haben. Also ruhig mal in der Klasse oder im Freundeskreis rumfragen, wer Erfahrungen mit Ferienkurs-Anbietern oder Nachhilfe-Instituten gemacht hat. Eine ähnlich, wenn auch weniger glaubwürdige Funktion erfüllen Meinungsbörsen im Internet, auf denen Nutzer von ihren Erfahrungen berichten.
  • Einige Einrichtungen verfügen über Prüfsiegel. So hat der TÜV-Rheinland Kriterien entwickelt und Nachhilfe-Einrichtungen unter die Lupe genommen. Eine Schule, die sich mit dem TÜV-Siegel schmückt, wurde von den Fachleuten des Nachhilfe TÜVs für gut befunden. Auch eine Zertifizierung nach der DIN ISO 9001 ist ein Nachweis der Qualität. Untersucht werden hier u.a. die fachliche und pädagogische Eignung der Nachhilfelehrer, die Zusammenstellung und Größe der Lerngruppen und weitere Kriterien. Ein weiteres Gütesiegel ist das RAL-Gütezeichen, mit dem seit 2004 gute Nachhilfeschulen ausgezeichnet werden.
  • Es müssen nicht unbedingt kommerzielle Anbieter sein. Viele gemeinnützige Einrichtungen von Sozialverbänden oder Volkshochschulen bieten Ferienkurse an. Diese Angebote sind gut qualifiziert und meist deutlich preiswerter als kommerzielle Institute. Bei der Suche nach einem seriösen Kurs hilft eine Anfrage im Rathaus oder bei der örtlichen VHS deshalb oft weiter.
  • Größe und Zusammensetzung der Gruppen sind wichtige Anzeichen für Qualität. Wer in Lerngruppen vor Ort büffelt, sollte darauf achten, dass die Gruppengröße nicht mehr als fünf bis maximal zehn Kinder umfasst. Eine homogene Gruppenzusammensetzung ist eine wichtige Voraussetzung für den Lernerfolg. Die Kinder sollten etwa gleiches Leistungsniveau und gleiches Alter haben und im gleichen Fach gefördert werden.
  • Auch die Rahmenbedingungen sollten stimmen. Achten Sie auf kindgerechtes Mobiliar der Unterrichtsräume und angenehme Atmosphäre. Ein Einstufungstest sollte klären, auf welchem Leistungsniveau sich das Kind befindet und vielleicht sogar Auskunft geben, welcher Lerntyp es ist.
  • Nachhilfelehrer sollten pädagogisch geschult sein. Am besten eignen sich ausgebildete Lehrer, die über Unterrichtserfahrung verfügen. Das gilt selbstverständlich auch für das Lernen im Feriencamp!
  • Achtung, Scientology: Der Deutsche Philologenverband hat herausgefunden, dass die Zahl der Nachhilfe-Anbieter, die mit der Scientology-Sekte in Verbindung stehen, in den letzten Jahren gestiegen ist. Neben Nachhilfe werden dann die Lehren des Sektengründers Ron Hubbard vermittelt. Auskunft, welche Einrichtungen betroffen sind, gibt die Aktion Bildungsinformation e.V.

 


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Ulrike Lindner

Ulrike Lindner

Ulrike Lindner hat Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation an der Hochschule der Künste, Berlin, studiert. Sie arbeitet als freie Journalistin, Werbetexterin und Moderatorin und lebt mit Mann und zwei Kindern in Wolfenbüttel.

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