27.04.2020

Buchtipp: Die Schimpf-Diät – Interview mit den Autorinnen

Buchtipp Schimpf Diät

Homeoffice, das „Homeschooling“ des Nachwuchses und den Haushalt mit den alltäglichen Pflichten unter einen Hut zu bekommen, zerrt derzeit an den Nerven vieler Eltern. Da kommt die Schimpf-Diät richtig. Linda Syllaba, systemischer Coach und Daniela Gaigg, die einen der bekanntesten Elternblogs in Österreich und Deutschland schreibt, haben diese entwickelt. Aus diesem gemeinsamen Projekt der beiden Autorinnen ist ein sehr einfühlsames Buch entstanden – mit sehr anschaulichen Beispielen und zahlreichen Impulsen für den Alltag in der Familie.

Wie Eltern gut für sich selbst sorgen – und den Spagat zwischen Homeoffice und „Homeschooling“ meistern

In der Schimpf-Diät beziehen die Autorinnen ihre Leserinnen und Leser immer ein, damit diese ihren eigenen Weg finden. Unsere Autorin Alexandra v. Plüskow-Kaminski hat mit Linda Syllaba und Daniela Gaigg gesprochen und findet: Die Schimpf-Diät eignet sich nicht nur für diese anstrengende Zeit, sondern hilft Tag für Tag, den Alltag in der Familie achtsam und wertschätzend zu gestalten.

 

Liebe Frau Syllaba, liebe Frau Gaigg, in Ihrem Buch die „Schimpf-Diät“ reflektieren Sie über das Schimpfen innerhalb der Familie. Wie ist es zu dem Buch gekommen?



Linda Syllaba: Am Anfang der Kooperation zwischen Daniela Gaigg aka diekleinebotin.at und mir haben wir Podcasts aufgenommen zu unterschiedlichen Themen. Manche wurden besonders oft geklickt, daraus haben wir entnommen, welche Schwierigkeiten besonders viele Eltern teilen. Es entstand ein Vorläufer und im Weiteren die jetzige „Schimpf-Diät“.

Daniela Gaigg: Ich habe 2013 Linda als Coach konsultiert und daraus ist über viele Gespräche eine enge Verbindung geworden: 2017 haben wir begonnen, für Eltern unsere Inhalte aufzuschreiben. Wir haben ein E-Book, ein Hörbuch und viele Podcasts erstellt. „Die Schimpf-Diät“ begleitet das umfassend. Mein Text-Teil beinhaltet meine Erfahrungen und Erkenntnisse aus knapp 8 Jahren Elternschaft.

(2.) Was ist die „Schimpf-Diät“ – gibt es „goldene Regeln“?



Linda Syllaba: Die Schimpf-Diät beschreibt einen Prozess, zu dem Eltern angeregt werden, um ihre eigene Haltung zu hinterfragen. Letztendlich sind die Kinder nicht das Problem, sondern Symptomträger für das, was in der Familie los ist. Wenn Eltern das erkennen und anfangen, an sich selbst zu arbeiten, gehen sie damit in die volle Verantwortung als Erwachsene. Das ist zwar manchmal anstrengend, doch unheimlich bereichernd. Am Gehorsamskult festzuhalten, ist übrigens noch anstrengender.
 Die Fachinputs sollen erklären, die Reflexionsübungen zum Nachdenken anregen und die praktische Erfahrung von Daniela als Mutter unterstützt durch viele Tipps und gibt außerdem das Gefühl, nicht alleine zu sein mit den täglichen Herausforderungen der Elternschaft.

Daniela Gaigg: Die goldene Regel ist eine Haltung: Das Kind zu begleiten und auf Augenhöhe zu leiten, statt zu erZIEHEN. Diese Basis schafft der von Jesper Juul geprägte Grundwert „Gleichwürdigkeit“, auf dem die Schimpf-Diät beruht.

(3.) In der jetzigen Zeit sind Eltern und Kinder im Spagat zwischen Homeoffice und „Homeschooling“ – wie ist die „Schimpf-Diät“ hierbei hilfreich?



Linda Syllaba: Eine der Kernaussagen des Buches ist: Das Beste, das du für deine Familie tun kannst, ist gut für dich zu sorgen. Wenn es uns nämlich gut geht, wir gut genährt auf allen Ebenen sind und möglichst wenig gestresst, dann sind wir auch weniger anfällig dafür, auszurasten. Also gilt das im Augenblick verstärkt. Außerdem bietet die Schimpf-Diät ja tatsächlich konkrete Alternativen zum Schimpfen an, die sich sofort anwenden lassen. Jederzeit, auch jetzt.

Daniela Gaigg: Ich empfinde es als hilfreich, mit vor Augen zu führen, was „Wunsch“ und was echtes „Bedürfnis“ ist … demnach zu reagieren ist als authentisch und offen möglich und das ist es, was Familien brauchen. Offenheit, Ehrlichkeit und Authentizität.

4. Was empfehlen Sie, falls ein „Jo-Jo-Effekt“ auftritt?



Linda Syllaba: Nochmal „Die Schimpf-Diät“ lesen oder ein Coaching bei mir buchen! 😉
 Der Jo-Jo-Effekt geht dann weg, wenn es tatsächlich gelungen ist, an der inneren Haltung etwas zu verändern, wenn wir weniger bewerten und interpretieren, wenn wir erwachsen werden und bleiben, wenn wir nicht mehr einsteigen ins Drama-Karussell und wenn wir unsere Eigenverantwortung voll und ganz wahrnehmen. Das ist tatsächlich möglich.

Daniela Gaigg: Mein Rat es ebenfalls: Wieder lesen :)
 Wir sind von alten Mustern aus der eigenen Kindheit geprägt und es fällt nicht leicht, sowas abzulegen. Ein anderes Thema sind Glaubenssätze, die oft im
Weg stehen. Ich habe selbst im Zuge der Recherche für das Buch einen meiner alten Glaubenssätze benennen und loslassen dürfen. Das ist sehr heilsam und hilfreich

(5.) Was ist Ihr Tipp für Familien in der jetzigen Situation?



Linda Syllaba: Erwartungen runterschrauben, an sich selbst und an die anderen. Mehr denn je die Führungsaufgabe als Elternteil ausfüllen (und dann nicht mehr damit aufhören) und wirklich gut auf die eigenen Ressourcen achten!

Daniela Gaigg: Druck rausnehmen und etwaige Zeitpläne zusammen entwickeln.
Wenn sich alle Familienmitglieder gehört fühlen, fällt es auch leichter, es mitzutragen.

 

Bildquelle: Photocredit: Bianca Kübler Photography


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Alexandra von Plüskow -Kaminski

Alexandra von Plüskow -Kaminski

Alexandra von Plüskow - Kaminski ist Lehrerin. Derzeit arbeitet sie in Abordnung des Landes Niedersachsen als Bildungskoordinatorin der Bildungslandschaft Heidekreis und als Beraterin für Sprachbildung und Interkulturelle Bildung im Sprachbildungszentrum Lüneburg der Niedersächsischen Landesschulbehörde. Sie war mehrere Jahre in der Lehrkräfte-Ausbildung an den Universitäten Koblenz-Landau und Leuphana Lüneburg tätig und verfasst als freie Fachjournalistin Texte zu pädagogischen Themen für verschiedene Magazine und Verlage.