27.06.2018

Schlechte Noten in der Pubertät – wie man am besten damit umgeht

Lernen in der Pubertät

Die Pubertät ist für Schülerinnen und Schüler mit großen Veränderungen verbunden. Neben körperlichen Veränderungen entwickeln wir uns während dieser sensiblen Phase sowohl intellektuell als auch seelisch. Das zeigt sich in Schule und Unterricht. Sind Pubertät und Lernerfolg in der Schule Gegensätze? Wie soll man mit schlechten Noten umgehen? Mogeln, Schule schwänzen oder die Unterschrift der Eltern fälschen, um schlechte Noten zu vertuschen, sind sicher keine Lösung.

„Das hat wieder mal nicht so toll geklappt“, dachte sich die 13-jährige Pauline, als sie ihre Lateinarbeit zurück bekam. Den Lateinlehrer konnte sie nicht so gut leiden. Es schien ihr, als beruhe das auf Gegenseitigkeit. Sie wusste genau, dass sie nun selbst gefordert war. Dabei machte ihr der aktuelle Liebeskummer schwer zu schaffen. Außerdem wollte sie abnehmen.

Sie hatte nur noch ein paar Wochen Zeit, um sich in einigen Fächern zu verbessern. Wie sollte sie das hinbekommen? Sie wusste nicht, wie sie beginnen sollte. Sie fühlte sich gestresst und blockiert.

 

Einen Anfang finden – Der erste Schritt

Man kann anfangen, indem man sich die eigenen Fehler vornimmt, sie sich genau anschaut, erkennt, was das Problem ist und sich um eine Berichtigung oder eine Lösung kümmert. Wenn es möglich ist, sollte man nicht nur die Fehler des letzten Tests, sondern auch die Fehler früherer Tests, die in den Hausaufgaben und die in den Klassenarbeiten bearbeiten.

Jeder hat eine Freundin oder einen Freund. Auch die können helfen, sich auf die Suche nach Schwierigkeiten und Fehlern zu machen. Meistens macht der Freund oder die Freundin auch typische Fehler. Vielleicht hilft es, einfach mal in deren Unterlagen zu schauen.

In den Fremdsprachen ist es beispielsweise gut möglich, mit einer Vokabeltrainer-App zu arbeiten, bei der man die eigenen „Fehler“ korrigiert eingeben kann. Wichtig ist es, das Programm so einzustellen, dass die Vokabeln, die man beim Üben falsch hatte, beim nächsten Mal zuerst wieder angezeigt werden. Auf diese Weise wird die anfängliche Lernenergie für die größten Schwierigkeiten verwendet. Internetgestütztes Lernen kann beim planmäßigen Lernen unterstützen, aber man muss sich etwas mit den Apps beschäftigen.

Die meisten lernen nicht gern allein. Eine Freundin oder einen Freund mit ins Boot zu nehmen, motiviert am Anfang sehr. Das ist niemals einseitig. Auch wenn der Freund keine schlechte Note hat, profitiert auch er von der Hilfe, die er gibt. Jemandem etwas zu erklären, ist sehr lehrreich, vertieft das eigene Wissen und erweitert den Horizont. Darüber hinaus stärkt es die Freundschaft.

Vielleicht hat eine Freundin oder ein Mitschüler auch bereits Erfahrung mit einem guten Online-Vokabeltrainer, Grammatiklernprogramm oder einem Lernportal, und sie oder er kann Tipps bei der Anwendung geben.

 

Den Medienbeauftragten fragen

Fast jede Schule hat einen Medienbeauftragten. Auch die kann man nach guten Apps und Lernportalen fragen, die eine systematische Auseinandersetzung mit den eigenen Lernproblemen unterstützen. Mithilfe des Medienbeauftragten oder gemeinsam mit anderen in der Computer-AG können folgende Fragen geklärt werden:

  • Wie hoch ist die Grundgebühr bei Lernportalen?
  • Wie wird abgerechnet: monatlich/halbjährlich oder pro Fach?
  • Welche Jahrgangsstufen umfasst das Angebot der Lernplattform?
  • Wird auch nach Bundesländern unterschieden?
  • Welche Möglichkeit gibt es, sich auf Prüfungen oder Klassenarbeiten vorzubereiten?
  • Welche technischen Voraussetzungen sind erforderlich?
  • Gibt es die Möglichkeit, das Angebot zu testen?
  • Wie kann man Kontakt mit Online-Tutorinnen/-Tutoren aufnehmen – per Chat oder per E-Mail?
  • Wie sind die Kündigungsbedingungen?

 

Sitzenbleiben – Trotzdem keine Panik

Die Pubertät ist fürs Sitzenbleiben eine anfällige Zeit. Darüber freut sich niemand, aber es ist auch kein Grund zur Panik oder dafür, sich als Verlierer zu fühlen. Es gibt viele Gründe, warum eine Versetzung nicht klappt. Vielleicht ist man öfter krank gewesen, hatte Liebeskummer, war Mobbing ausgesetzt oder der Lernstoff war zu schwierig.

In der Pubertät verändert man sich nicht nur körperlich und seelisch sehr, sondern auch geistig. Das Gehirn wird in dieser Zeit umgebaut. Auch das kann vorübergehend zu Konzentrationsstörungen führen. Die seelische, körperliche und geistige Entwicklung verläuft darüber hinaus nicht parallel. Ein körperlich weit entwickelter Schüler kann sich intellektuell langsamer entwickeln. Eltern, Lehrer sowie Schülerinnen und Schüler selbst lassen sich durch dieses Ungleichgewicht verwirren. Oft verstehen Schüler sich selbst nicht und reagieren extrem.

Die meisten versuchen ein drohendes Sitzenbleiben erst einmal mit Nachhilfeunterricht zu verhindern. Zwischen privat organisierter und institutioneller Nachhilfe bestehen in finanzieller Hinsicht große Unterschiede. Privat organisierter Nachhilfeunterricht ist deutlich günstiger als Gruppenunterricht bei einem Nachhilfeinstitut. Bei letzterem gibt es vertragliche Bindungen, bei privaten Nachhilfestunden in der Regel nicht. Auf der anderen Seite steht und fällt bei einem Institut die Nachhilfe nicht mit einer Person. Zunehmend von Interesse sind die Online-Nachhilfe-Lernplattformen mit ihrem differenzierten Angebot. Sie helfen nicht nur bei schlechten Noten, sondern fördern gleichzeitig auch eine sinnvolle Nutzung des Internets.

 

Mit Mogelzettel gegen schlechte Schulnoten?

Der Versuch, durch Mogeln an bessere Noten zu kommen, ist so alt wie die Schule selbst. Jeder weiß, dass es nicht in Ordnung ist. Wie viele es trotzdem versuchen, bleibt wohl für immer ein Geheimnis.

Sehen wir den Tatsachen ins Auge: Wer beim Mogeln erwischt wird, bekommt in der Regel die Zensur „ungenügend“ und einen Vermerk. Im Schwang pubertärer Gefühle, denkt sich so mancher/manche, dass die eigene Mogelidee zu genial ist, um entdeckt zu werden. Vor allem, wer wiederholt versucht, durch Mogeln an bessere Schulnoten zu kommen, wird ganz sicher erwischt und scheitert.

Die Frage ist also nicht, wo platziere ich den Mogelzettel, der mit Zaubertinte geschrieben wurde, während der Prüfung am besten, sondern wie bereite ich mich besser vor. Zettel können dabei ein oft nicht genutztes Potenzial als Hilfsmittel beinhalten.

Man stelle sich vor, was man auf einen Mogelzettel schreiben würde. Denn dort steht ja vermutlich das, was man nicht behalten kann, z.B. Formeln, Vokabeln oder Jahreszahlen. Entsprechend macht es Sinn, zur Vorbereitung auf Tests und Klausuren einen oder mehrere Zettel zu schreiben – mit eben diesen kritischen Formeln oder Vokabeln. Diese können dann zu Hause an Stellen anbracht werden, an denen man häufig vorbei geht, z.B. der Zimmertür, neben dem Spiegel, auf dem Toilettendeckel oder am Kühlschrank. Auch das Smartphone ist geeignet für einen „digitalen Zettel“, da es häufig im Gebrauch ist.

Warum ist das Schreiben von „Mogelzetteln“ sinnvoll? Zunächst einmal beschäftige ich mich mit meinen Schwierigkeiten beim Schreiben des Zettels selbst. Das ist schon eine Art Vorbereitung. An auffälligen Stellen können wir immer mal wieder auf den Zettel schauen, kurz lesen. Manches prägt sich so unbewusst besser ein. Als Ergänzung zum bewussten Lernen ist es ideal.

 

Kommentar:  Pubertät allein ist kein Grund

Die Pubertät dauert einige Jahre. Das, was Experten als Pubertät bezeichnen, ist ein normaler Entwicklungsabschnitt  in unserem Leben. Alle in einer Klassengemeinschaft sind mehr oder weniger gleichzeitig in der Pubertät. Wir lernen also in dieser Hinsicht unter ähnlichen Bedingungen. Die Pubertät kann dementsprechend keine Entschuldigung für schlechte Schulnoten sein. Im Einzelfall kommen pubertäre Herausforderungen jedoch erschwerend zu anderen ungünstigen Faktoren für ausbleibenden Lernerfolg dazu. Die ein oder andere schlechte Note kann durchaus der Pubertät geschuldet sein.

Für manche ist die Pubertät sogar eine tolle, positive Zeit, eine Zeit der guten Schulerfolge. Denn man verliert die kindliche Hilflosigkeit oder man verliebt sich unsterblich. Und wer glücklich ist, lernt besser, lässt sich durch nichts aufhalten.

Wir haben heute sehr viele Möglichkeiten, uns aus Phasen schlechter Schulnoten auch während der Pubertät herauszuarbeiten:

  • Internet-Lernportale mit Betreuung durch Online-Tutoren
  • Smartphone-Apps
  • Lernen mit Freunden
  • traditionelle Nachhilfe
  • Gespräche mit Lehrerinnen und Lehrern

Nicht nur die Schülerinnen und Schüler, die kostenpflichtige Zusatzangebote nutzen, können schlechte Schulnoten verbessern. Diejenigen, die sich keinen Nachhilfeunterricht leisten können, haben die Möglichkeit, sich mit anderen Schülerinnen und Schülern, die ebenfalls ihre Schulnoten verbessern möchten, zu solidarisieren. Denn gemeinsam ist man stärker und kann z.B. den Vertrauenslehrer ansprechen. Es gibt auch Schulen, die intern Nachhilfeunterricht organisieren. Dabei helfen ältere und  leistungsstarke Schülerinnen und Schüler.

Manchmal muss man auch einfach nur das eigene Lernen anders strukturieren. Effektive Lern- und Arbeitstechniken sollten immer wieder Thema im Unterricht sein, gerade in der Pubertät. Schulprobleme sind nicht zuletzt leichter zu beheben, wenn man sich rechtzeitig kümmert.

 

Buchtipp:

Tobias Haberl et al. (Hrsg.) Wir, Ritter der Ehrenrunde: Prominente berichten vom Sitzenbleiben Kösel 2016.

 

Linktipps:

Nummer gegen Kummer – Beratungsangebot für Kinder, Jugendliche und Eltern

www.nummergegenkummer.de

Lernportal im Vergleich, im Auftrag von n-tv

www.n-tv.de

Pubertät – Die verflixte 8. Klasse

www.zeit.de


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Hildegard Dierks

Hildegard Dierks

Hildegard Dierks hat ihr Lehramtsstudium in den Fächern Englisch und Pädagogik für die Sekundarstufen I und II absolviert und an der Universität Bielefeld das Magisterstudium mit dem Schwerpunkt Computerlinguistik abgeschlossen. Sie arbeitet seit vielen Jahren als Online-Autorin und Online-Redakteurin. Zu ihren Themenschwerpunkten zählen alle Themen rund um Fremdsprachenlernen, computergestütztes Lernen aber auch schulpolitische Themen.

Kommentare

Thanks a lot for the post.Really thank you! Much obliged.

 
 

Schlechte Schulnoten müssen nicht sein. Ich kann zum Beispiel auch Nachhilfe empfehlen. Diese hat bei meinem Abitur sehr geholfen.

 
    

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