16.01.2018

Hinfallen und wieder aufstehen – was Jugendliche aus Niederlagen lernen können

Resilienz

Gescheitert – das klingt erst einmal nach Katastrophe, nach Weltuntergang. Scheitern kann viele Züge annehmen: In der Schule sitzen bleiben. Von der ersten Freundin verlassen werden. Das entscheidende Tor durchlassen. Als einziger nicht gefragt werden, ob man in den Club mitkommen will . Oder beim Referat vor der ganzen Klasse erst ins Stottern kommen und dann in Tränen ausbrechen.

Situationen wie diese sind nicht ungewöhnlich – und doch spricht kaum jemand darüber. Denn Scheitern ist nicht sexy. Das gilt besonders für Jugendliche, die noch auf dem Weg zu ihrer Identität sind und die Zustimmung anderer als wichtige Richtschnur für das eigene Verhalten sehen. Dabei ist es nach Ansicht von Psychologen wichtig, mit Misserfolgen umzugehen. Wer früh lernt, dass Scheitern zwar schrecklich peinlich sein kann, aber nicht das Ende bedeutet, wird letztlich mutiger und selbstbewusster.

 

Misserfolg gehört dazu

Hilfreich kann die Erkenntnis sein, dass Scheitern auch immer Interpretationssache ist. Was der eine als Niederlage erlebt, tut der andere mit einem Schulterzucken ab. Ob eine drei in Mathe als völliges Versagen oder als Superleistung gesehen wird, hängt also immer von den eigenen Ansprüchen und Erwartungen ab. Hinzu kommt: Misserfolg kann jeden treffen, manchmal sogar ohne eigenen Fehler. Worauf es ankommt, ist dann nicht die Tatsache des Scheiterns, sondern der richtige Umgang damit.

 

Scheitern ist Übungssache

Auch wenn es grausam ist, als Torwart das eine Tor durchzulassen, das den Klassenerhalt vermasselt – Scheitern ist ein Teil des Lebens. Erfahrungen mit solchen Situationen sind Teil der Persönlichkeitsentwicklung. Laufen lernt man durch Hinfallen, sagen auch Psychologen. Entscheidend sei es, aus Fehlern zu lernen, nicht, sie um jeden Preis zu vermeiden. Damit das gelingt, will auch Scheitern gelernt sein. Dann fällt es leichter, damit umzugehen und nach einiger Zeit, wenn Schock und Trauer verraucht sind, zu erkennen, was man aus dem Frusterlebnis mitnehmen kann. Zum Beispiel Antwort auf die Fragen: Warum ist das so passiert? Was hat nicht funktioniert? Was war mein Fehler? War mein Anspruch falsch? Stimmten die Voraussetzungen? Lag es am Zeitpunkt?

 

Was Eltern tun können

Dabei können Eltern ihren Kindern helfen. Zunächst einmal, indem sie ihnen nicht alles abnehmen. Wer als Kind oder Jugendlicher nie gelernt hat zu scheitern, tut sich als Erwachsener umso schwerer damit – und verpasst die einmalige Chance, aus Niederlagen zu lernen. Eltern sollten ihren Kindern deshalb Raum geben, um zu scheitern und sich vor Übervorsorge hüten. Kleinere Krisen können auch Kinder aushalten, ohne dass Mama oder Papa gleich zu Hilfe eilt.

Auch das eigene Vorbild hilft dem Nachwuchs, ein gesundes Verhältnis zur Niederlage zu entwickeln. Wie Eltern Scheitern bewerten, wie sie darüber reden und ob sie aus eigenen Misserfolgen lernen, hat großen Einfluss darauf, ob Kinder in der Lage sind, mit Rückschlägen umzugehen.

Wenn dann ein Misserfolg geschieht, ist es hilfreich, wenn die Eltern als Gesprächspartner zur Verfügung stehen, ohne sich aufzudrängen oder gleich pauschal ein „Nicht so schlimm“ zu äußern oder anderen die Schuld zuzuschieben. Besser, als von dem Schmerz abzulenken, der zwangsläufig mit dem Scheitern einhergeht, sei es, sagen Psychologen, die Gefühle des anderen wahrzunehmen und ernst zu nehmen.

Eltern können ihr Kind dann auch unterstützen, aus der Opferrolle herauszufinden und ins Handeln zu kommen. Sie können es ermuntern, einen neuen Versuch zu wagen oder sich auf anderes zu konzentrieren. Gerade bei Jugendlichen bleibt wichtig, ihnen auch nach einem Misserfolg weder die Entscheidungen über den Neustart noch die Anstrengungen auf dem Weg dorthin abzunehmen. Nur durch die eigene Anstrengung lernen sie aus dem Hinfallen.


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Ulrike Lindner

Ulrike Lindner

Ulrike Lindner hat Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation an der Hochschule der Künste, Berlin, studiert. Sie arbeitet als freie Journalistin, Werbetexterin und Moderatorin und lebt mit Mann und zwei Kindern in Wolfenbüttel.

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