07.03.2016

Pubertät – wenn Eltern komisch werden …

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Genau das soll ja angeblich das Zeichen für die beginnende Pubertät sein. Erreichen die Kids ein bestimmtes Alter, so merkt man, dass sie sich in „kleine“ Rebellen verwandeln – und rebelliert wird vor allem zu Hause. Mein ältester Sohn ist mittlerweile 19 Jahre alt und war nie in der Pubertät. Zumindest nicht so wirklich. Wir hören immer noch dieselbe Musik, er hat nie aufgehört mich um Rat zu fragen oder mir zu helfen. Und wenn er doch mal eine Tür geknallt haben sollte, dann war das bestimmt, weil der Windzug ihn dabei unterstützt hat. Ich glaube, ich knalle sogar öfter mal die eine oder andere Tür. Das einzige, womit er zu kämpfen hatte, waren ein paar Pickel. Ich war wahnsinnig stolz auf mich und auch auf ihn, weil alles so problemlos lief.

Mein zweiter Sohn ist zweieinhalb Jahre jünger. Da das Ganze bei meinem Großen so gut lief, war ich mehr als überrascht, als mein süßer Zehnjähriger sich plötzlich von einem Tag auf den anderen weigerte, zu duschen.

Seine Haare wurden fast stündlich länger und die Nichtbenutzung von Shampoos und übrigen Reinigungsmitteln ließ den bisherigen dunkelblonden Kurzhaarschnitt plötzlich zu einer fettigen, bis über beide Augen gehenden Gardine werden. Die einzige Kommunikation, die als Reaktion auf meine Fragen kam, war ein genuscheltes „Eh“, dem meistens ein Türknallen folgte. Ich erstarrte jedes Mal. Erfreut stellte ich allerdings fest, dass er sich auch noch in ganzen Sätzen ausdrücken konnte. Leider geschah das immer nur dann, wenn ich das, was er brauchte, nicht innerhalb von Minuten herbeizaubern konnte: „Das ist wieder typisch! Niemand hat an meinen Joghurt gedacht!“ oder „Wenn ich nicht morgen das Musikheft mit in die Schule bringe, dann trägt die mir eine 6 ein!“ oder „Hat mein Vater schon wieder am Internet rumgespielt oder warum geht das nicht?“

Wir gewöhnten uns daran, eine Person weniger beim Essen sitzen zu haben, denn er kam einfach zu spät, weil ihn angeblich niemand gerufen hatte und verschwand dann schnell wieder, weil ihn sowieso niemand am Tisch haben wollte. Wenn dann doch der richtige Joghurt im Kühlschrank zu finden war, was andernfalls sonst wieder mit oben beschriebenem Satz gewürdigt wurde, verschwand er mit genau diesem dann wieder in seinem Zimmer. Mit ihm verschwanden auch unsere Löffel, die ich auf seinem Schreibtisch, unter seinem Bett, auf seiner Fensterbank oder im Badezimmer wiederfand.

Sein Zimmer ist auch so ein Reizthema zwischen uns gewesen. Neben den verschimmelten Joghurtbechern und Löffeln fanden sich diverse Socken, elektronische Bauteile, Computerleichen und Schulsachen. Dazwischen fühlten sich Staubwolken besonders wohl. Ich räumte auf, entsorgte vermeidlichen Müll, brachte Wäsche nach unten und holte mir meine Löffel zurück. Heulend sah ich ihn dann am Mülleimer stehen und seine Schätze aus diesem wieder herausholen.

Ich räumte seine Kleidung in den Schrank und stellte die Stühle ordentlich in das Zimmer. Ich zog ein neues Spannbettlaken auf und ärgerte mich auch nur ein wenig darüber, dass das benutzte Laken blaue Flecken von diversen Stiften hatte. Mein Sohn hatte die Angewohnheit, seine Hausaufgaben, wenn er sie denn machte, im Bett zu erledigen. Zwei Wochen später sah sein Zimmer wieder aus, als sei ich nie dort gewesen. Ich ließ es einfach so und wusch auch seine Wäsche nicht mehr – in der Hoffnung, er würde irgendwann merken, dass er sie selbst runter bringen musste. Stattdessen nutzte er aber einfach die Kleidung seines Bruders und als der ihn nicht mehr in sein Zimmer ließ, holte er sich einfach Socken und T-Shirts von seinem Vater!

Ich traute mich am Elternsprechtag kaum in die Schule – allerdings erfuhr ich hier eine Überraschung! Die Lehrerinnen und Lehrer beschrieben ihn als ordentlich und sehr extrovertiert. Ich war mir nicht sicher, von welchem Kind sie redeten und stellte mir nur vor, wie andere Jugendliche sich benehmen mussten, um den Status meines Sohnes noch zu toppen. Mir grauste es, denn ich dachte mit Schrecken daran, dass ich noch 4 jüngere Kinder hatte.

Inzwischen ist er fast 17 und hat sich in einen netten jungen Mann verwandelt. Vor einiger Zeit lachte er sogar mit mir gemeinsam darüber, dass mein Bettlaken so viele blaue Flecken hatte. „Siehst du“, sagte er zu mir, „du hast auch schon Tinte ins Bett geschmiert!“ Ich konnte vor Lachen gar nicht reden, denn bei dem besagten Bettlaken ist er natürlich der Urheber der Flecken gewesen – ich wollte es nur, sparsam wie ich war, nicht entsorgen.

Kind 3, Kind 4 und Kind 5 zeigen inzwischen auch pubertäre Züge. Der eine duscht ständig und benutzt das After Shave seines Vaters. Außerdem macht er jeden Morgen einen Tanz, weil er nicht in die Schule gehen möchte. Seine Musik dreht er auf Saallautstärke – aber nachts kommt er ziemlich oft noch in mein Bett, wenn er nicht schlafen kann. Der andere hat die Kommunikation mit den „Eh“-Sätzen gestartet. Meine Tochter hingegen weigert sich inzwischen, ihr Zimmer aufzuräumen und das mit 8 Jahren. Außerdem ist sie unangefochtene Meisterin darin, mich innerhalb von Minuten zum glücklichsten Menschen der Welt zu machen und mir dabei Honig um den Bart zu schmieren, um mich dann nur 5 Minuten später als schlimmste Mutter aller Zeiten darzustellen, die sich sowieso gar nicht für Ihre Belange interessieren würde.

Wenn ich überlege, wie sich die Pubertät von Kind 1 auf Kind 2 gesteigert hat und das dann auf Kind 3 bis 6 hochrechne, stehen mir noch stürmische Zeiten bevor, in denen sicherlich noch einige Türen knallen und in denen ich so manche Nacht wachen werde, bis die Herrschaften sich wieder nach Haus bewegt haben. Aber vielleicht kommt ja auch alles ganz anders!

Tolle Ratschläge gibt es vom Familienministerium – Ich hänge da persönlich immer noch bei dem Punkt, der mir klarmachen will, dass ich Provokationen nicht persönlich nehmen soll. Ich glaube, das hänge ich mir an meinen Badezimmerspiegel!

Einen lesenswerten Artikel zu dem Thema gibt es auch hier http://www.magazin-schule.de/magazin/pubertaet-chaos-im-kopf/

 


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Manon Sander

Manon Sander

Manon Sander ist akademische Mitarbeiterin an der Pädagogischen Hochschule in Karlsruhe. Vorher hat sie an Schulen (Grundschule, Realschule und Universität) in NRW unterrichtet. Die Mutter von 6 Kindern zwischen 6 und 19 Jahren ist außerdem Autorin für Fach- und Kinderbücher.

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