31.01.2018

Konzentrier dich mal – wie Kinder gut lernen

konzentriert lernen - aber wie

Die Deutsch-Hausaufgaben sind kein Problem für Marlene, die schafft die Grundschülerin im Handumdrehen. Auch beim Basteln ist die Neunjährige unermüdlich und sitzt oft stundenlang über ihrem Tisch mit farbigen Papieren, Schere und Klebstoff. Ganz anders ist das Bild, wenn die Mathe-Aufgaben anstehen. Dann rutscht sie auf dem Stuhl herum, springt dauernd auf oder muss unbedingt noch etwas trinken. Konzentrationsfähigkeit ist eindeutig eine Sache von Interesse und Spaß an dem, was wir tun. Doch das ist nicht der einzige Aspekt. Die Fähigkeit bei der Sache zu bleiben, hat auch mit dem Alter zu tun. Jüngere Kinder können sich weniger lange konzentrieren als ältere. So geht man bei Grundschulkindern von einer Aufmerksamkeitsspanne von etwa 15 bis 20 Minuten aus, während sich 15 bis 19-Jährige schon 30 bis 40 Minuten am Stück konzentrieren. Mit dem Ende der Pubertät ist das Gehirn ausgereift, jetzt liegt die Konzentrationsspanne bei etwa 45 Minuten.

Über diese grundsätzlichen Voraussetzungen hinaus lässt sich Konzentrationsfähigkeit auch trainieren. Hier können Eltern ihre Kinder unterstützen. Denn auch wenn das, was neugierig macht und mit Vergnügen im Kopf verbunden ist, leicht von der Hand geht, lassen sich Aufgaben, die dem einzelnen weniger Freude bereiten, nicht vermeiden. Wer lernt, dass Aufmerksamkeit und konzentriertes Lernen mit Erfolg belohnt werden, kann aber den Unlust-Faktor zum Teil ausbremsen.

Strategien für mehr Konzentrationsfähigkeit

Entscheidend für die Konzentration und Motivation ist der Glaube daran, eine Aufgabe lösen zu können. Bei schwierigen Themen macht es daher immer Sinn, sie in mehrere Teilschritte zu gliedern, die nicht zu leicht, aber auch nicht zu anspruchsvoll sind. Grundsätzlich besteht in einer solchen Gliederung des Lernstoffs die Aufgabe des Lehrers, Eltern können hier nur begrenzt unterstützen.

Zuhause lässt sich aber durchaus besprechen, warum auch ungeliebte Aufgaben erledigt werden müssen – und gelegentlich kann eine Belohnung dafür vereinbart werden. Ganz wichtig für die Motivation sind zudem eigene Ziele. Eltern können ihre Kinder dazu ermutigen, sich (erreichbare) Ziele zu setzen und ihnen dabei helfen, sie zu formulieren (am besten schriftlich, etwa als „Vertrag“ mit sich selbst).

Die richtige Atmosphäre zum Lernen

Auch die passenden Lernvoraussetzungen zu schaffen, kann eine gute Hilfestellung für Konzentration sein. So sollten Ablenkungen wie Handy, Computer oder TV ausgeschaltete oder weggelegt werden. Wer beim Hausaufgaben-Machen ständig die WhatsApp-Nachrichten der Freundin checkt oder nebenbei der Lieblings-Serie folgt, wird ständig aus dem Arbeitsfluss herausgerissen. Und das ist ungünstig für die Konzentration: Wenn eine herausfordernde Aufgabe unterbrochen wird, braucht man eine Viertelstunde, um wieder ins Thema einzusteigen. Für Kinder bedeutet das aber oft schon das Aus in Sachen Konzentration.

Lerntypen berücksichtigen

Auch zu beachten: Nicht jedes Kind lernt auf dieselbe Weise. Während die einen Stille brauchen, hilft anderen die Lieblingsmusik, um eine entspannte Lernatmosphäre zu schaffen. Eltern können hier begleiten und beraten, sollten aber auch die individuellen Vorlieben ihrer Sprösslinge berücksichtigen. Für viele Kinder gehört ein ungestörter, ausreichend heller und angenehmer Arbeitsplatz, frische Luft und genug Platz, um sich auszubreiten, zu den wichtigsten Voraussetzungen, um konzentriert zu arbeiten. Hinzu kommen ausreichend Pausen, Abwechslung bei den Lerninhalten (nicht Englisch- und Französisch-Vokabeln hintereinander) und auf den Lerntyp abgestimmte Methoden.

Bewegung fördert die Konzentrationsfähigkeit

Wer Kinder und Jugendliche neben der Schule zum Sport motiviert, tut ebenfalls etwas Gutes für deren Konzentration. Körperliche Bewegung, das haben Studien ergeben, bringt auch den Kopf in Bewegung. Das liegt zum einen an der besseren Durchblutung des Gehirns. Zum anderen trainieren sportliche Kinder, die ihre Bewegungen planen und koordinieren, damit gleichzeitig die Konzentrationsfähigkeit. Besonders positiv soll sportliche Betätigung übrigens für die mathematischen Fähigkeiten sein.

Wie Sport trainiert auch das Lesen die Konzentrationsfähigkeit. Das gilt sowohl für das Vorlesen, als auch fürs Selbst-Schmökern. Der Grund ist einfach: Lesen erfordert, dass man für eine bestimmte Zeit bei der Sache bleibt und Inhalte im Gehirn abspeichert. Diese Fähigkeit kommt auch bei anderen, schwierigeren Aufgaben zum Einsatz.

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Ulrike Lindner

Ulrike Lindner

Ulrike Lindner hat Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation an der Hochschule der Künste, Berlin, studiert. Sie arbeitet als freie Journalistin, Werbetexterin und Moderatorin und lebt mit Mann und zwei Kindern in Wolfenbüttel.

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