19.04.2017

Always on – was macht mein Kind im Internet?

always on - was macht mein Kind im Internet

Always on – kennen Sie das Problem auch? Ständig wird das Smartphone herausgeholt oder es gibt Geräusche von sich. Aber will man als Mutter oder Vater mal einen schnellen Blick erhaschen, dann verschwindet es sogleich wieder in der Tasche. Das Laptop ist sowieso passwortgeschützt. Noch vor ein paar Jahren konnte man zumindest auf Facebook schauen, was der Nachwuchs dort treibt. Doch heute findet man höchstens noch Geburtstagsglückwünsche der Kinder an die Oma. Was machen die Kinder da nur die ganze Zeit in den Sozialen Netzwerken und Messenger-Diensten?

Eltern sind natürlich immer besorgt und möchten genau wissen, was ihre Kinder im Netz so „anstellen“. Auf der anderen Seite brauchen Kinder und vor allem Jugendliche ihre Freiräume. Eigentlich ist es auch egal, ob es sich um einen Tagebucheintrag, um ein Treffen mit Freunden oder um einen virtuellen Eintrag auf einer Webseite handelt. All das, was nicht öffentlich ist, sollte auch nicht öffentlich sein – und das gilt dann auch für die Eltern. An dieser Stelle hilft es vielleicht, sich einmal zu erinnern. Nicht alles, was man in dem Alter selbst gemacht hat, wollte man damals den Eltern anvertrauen und sie hätten es auch nicht heraus bekommen sollen. Weder das Telefonat mit Freunden, das man mit dem damals an langer Schnur hängenden Telefon im Wohnzimmer führte oder die Gespräche bei Treffen in irgendwelchen Schuppen, Kellern oder sonstigen Bereichen, die man als „sicher“ vor Erwachsenen betrachtete. In der Regel ist bei all dem wenig passiert – Eltern mussten damals nicht alles wissen und das ist auch heute so.

Eine unendliche Welt im Netz

Es gibt unendlich viele Möglichkeiten, sich heute im Internet auszutauschen. Während diese Bereiche noch vor ein paar Jahren in erster Linie Jugendlichen und Erwachsenen, die sich damit gut auskannten, vorbehalten waren, ist heute nahezu jeder online. Und damit hat sich auch das Verhalten geändert. Waren es noch von wenigen Jahren auf Facebook vor allem Fotos von Feten, die gerade die Runde machten, so findet man heute von politischen Statements über Fotoalben des letzten Urlaubs bis hin zu lustigen Katzenvideos alles was das Onlineherz begehrt – oder auch nicht. Und das ist für Jugendliche einfach nicht mehr attraktiv. Natürlich haben alle einen Account – aber gepostet wird hier nur noch wenig.

Aber was macht man heute im Netz? Eigentlich immer noch das, was früher auch gemacht wurde: Musik hören, sich mit Freunden unterhalten, seine Gedanken aufschreiben und spielen. Das ist nichts Neues, findet nur auf anderen Wegen statt.

Tipps zum richtigen Umgang mit Medien

Ein guter und wichtiger Hinweis ist es, Kinder von Anfang an zu begleiten. So wie Eltern es auch mit allen anderen Dingen tun. Der Schulweg wird erst gemeinsam gegangen, so lange bis die Kinder es sicher beherrschen. Ähnlich muss der Umgang mit dem Internet auch verstanden werden.

Es muss den Jugendlichen klar werden, dass das Internet fantastische Möglichkeiten bietet. Eine größere Bibliothek, die Wissen vermittelt, gibt es nicht. Doch muss geschaut werden, welche Informationen vertrauenswürdig sind und welche nicht. Kontakt zu Freunden kann viel schneller und direkter aufgebaut werden – aber mit wem darf ich schreiben und was darf ich sagen. Das ist ein Lernprozess, der genauso wichtig ist, wie die Entscheidung, in wessen Auto man einsteigen darf und in wessen nicht.

Wenn Sie als Eltern unsicher sind, was Ihre Kinder tun, dann sprechen Sie sie an und bitten sie darum, ihnen etwas zu erklären. Wie kann ich zum Beispiel eine Person finden, wie kann ich Bilder hochladen und wo stellt man diese ein und ganz wichtig, wer kann sie sehen?

Auch die rechtliche Seite muss angesprochen werden. Was darf ich anschauen und was nicht? Wo darf ich Geld ausgeben und wie viel darf das kosten? Suchen Sie gemeinsam danach, was passiert, wenn man sich unerlaubt Filme anschaut. Ihren Kindern muss klar sein, dass das rechtliche Konsequenzen hat. Flattert erst einmal eine Abmahnung ins Haus, dann wird es teuer.

Hilfreiche Links

Das Bundesministerium für Familien, Senioren, Frauen und Jugend hat auf der Internetseite Schau hin einige allgemeine Infos zur Sicherheit im Netz zusammengestellt.

An Jugendliche wendet sich diese Seite www.sicher-online-gehen.de. Genauso informativ sind die Hinweise auf Klicksafe, eine Inititative der EU.

Informationen zu Urheberrechten finden Sie auf der Seite www.abmahnung.org/filme.

Ganz ausführlich und sehr informativ ist auch die Schweizer Seite www.jugendundmedien.ch/home.html.

Fazit: Vertrauen – das A und O

Es ist nicht immer einfach für Eltern, ihre Kinder allein zu lassen und ihnen zu vertrauen. Man möchte sie unterstützen und ihnen helfen. Doch es ist so wichtig, Kindern zu zeigen, dass sie allein etwas bewältigen können und dürfen. Für den Umgang mit dem Internet müssen die gleichen Grundsätze gelten, wie für andere Bereiche des Lebens auch. Reden Sie mit Ihrem Kind und nehmen Sie sich Zeit für Fragen, die es hat. Unterstützen Sie es – aber bleiben Sie fair dabei. Loggen Sie sich nicht unter falschen Namen in Soziale Netzwerke ein und versuchen Kontakt zu Ihrem Kind zu bekommen. Gönnen Sie auch Ihrem Kind eine Privatsphäre.


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Manon Sander

Manon Sander

Manon Sander ist akademische Mitarbeiterin an der Pädagogischen Hochschule in Karlsruhe. Vorher hat sie an Schulen (Grundschule, Realschule und Universität) in NRW unterrichtet. Die Mutter von 6 Kindern zwischen 6 und 19 Jahren ist außerdem Autorin für Fach- und Kinderbücher.

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